Bauhaus-Universität Weimar

Psychotechnik im Heere. 
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Ungeeignete ausfindig zu machen; um aber ein positives Urteil über 
die Gesamttauglichkeit abgeben zu können, bedarf es offenbar der 
Prüfung aller wesentlichen Faktoren. Von dem mehr oder weniger weit 
gesteckten Ziel der Untersuchung ist natürlich auch die jeweilige Methode 
und daher auch der Umfang der erforderlichen Analyse abhängig. 
Wenden wir uns nun zu dem 
methodischen Gesichtspunkt der Auswertung. 
Kein Forscher, der nicht Wert auf exakte quantitative Be¬ 
stimmung der Prüfungsergebnisse legte! Verschieden weit aber geht 
die rechnerische Behandlung der gewonnenen quantitativen Werte. 
Am weitesten gehen hier Lipmann und Klemm. 
Benary und Gemelli hingegen legen mehr Gewicht auf ein 
qualitativ begründetes Gesamturteil. 
Uber die allgemeine psychophysische Maßmethodik brauche ich 
mich hier nicht zu verbreiten. Nur einige Punkte seien berührt: Eine 
große Bolle spielen in der Mehrzahl der Untersuchungen die „Ge¬ 
wichte“ oder „Punkte“, die den Ergebnissen ungleichartiger Leistungen 
je nach ihrer Wichtigkeit für die Gesamttauglichkeit des Prüflings 
beizumessen seien. Manche Forscher gehen dabei ziemlich willkürlich 
vor. Andere suchen nach immanenten Kriterien für das Maß dieser 
Gewichte. So z. B. findet Lipmann sie auf Grund eines Schwierig¬ 
keitsvergleiches der von ihm angewandten Prüfreihen, ein Verfahren,, 
das hier offenbar zulässig ist, da die Prüfreihen im wesentlichen ein¬ 
ander gleichartig sind. Moede, um dies hier mit zu erwähnen, findet 
auf ähnlichem Wege neuerdings ein Maß für die Gewichte durch Ver¬ 
gleich des durchschnittlichen mittleren Fehlers oder der durchschnitt¬ 
lichen mittleren Abweichung einer hinreichend großen Anzahl von 
Prüflingen bei verschieden schwierigen Prüfreihen. 
Nun ist aber der Schwierigkeitsgrad einer Leistung noch nicht 
ohne weiteres gleichbedeutend mit ihrer Wichtigkeit für das Ge¬ 
samturteil. Leicht auszuführende Leistungen können hierfür unter 
Umständen von entscheidender Wichtigkeit sein. Was für ein 
Gewicht den Einzelleistungen oder auch den Ergebnissen von 
komplexen Leistungen beizumessen sei, kann einwandfrei nur a 
posteriori festgestellt werden, nämlich durch die Erprobung des 
Prüfungsverfahrens. Das liegt in dem Begriff des Gewichtes be¬ 
gründet, der eine Beziehung zwischen Prüfungsleistung und Praxis 
enthält. Diese Beziehung kann nicht lediglich durch einen ihrer Be¬ 
ziehungspunkte bestimmt werden.
        

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