Bauhaus-Universität Weimar

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Uber Hirnverletztenpsychologie. 
klinische Diagnostik der Allgemeinschädigung, bzw. 
der verbliebenen Leistungsfähigkeit. 
Während zu 1. das Forschungsexperiment den Typus ab¬ 
gab, gilt für die Erledigung zu 2. der psychologische Test 
Eine möglichst vollständig zusammengestellte Reihe von Tests ver¬ 
schiedener teils „elementarer“, teils „komplexer“ Leistungen werden 
in gleicher Weise hei allen Hirnverletzten durchgeprüft. Es sind dies 
z. B. Bildbeschreiben, Ausfüllen von Kombinationsbogen, tachisto- 
skopisches Erkennen, Merkfähigkeit, Geschicklichkeit, Reaktions¬ 
versuche usw. Diese, eine weitere Ausgestaltung der bereits in der 
psychiatrischen Klinik heimisch gewordenen Methodik dient drei 
Zwecken. 1. Kann es auf etwa der Spezialuntersuchung entgangene 
Herdsymptome aufmerksam machen, 2. ein Bild des erlittenen Schadens 
und 3. der gegenwärtigen Leistungsfähigkeit zeichnen. Besonders 
wichtig ist deren an Hand von Versuchen an Gesunden gewonnene 
quantitative Fixierung. 
Eine besondere Rolle spielen die psychologischen Arbeits¬ 
prüfungen, im wesentlichen als ein Ausbau der Kraepelinschen Methode 
der Arbeitskurven durch Hinzufügung der genauen Registrierung und 
größeren Variationen der Arbeitsarten zu charakterisieren sind. Der 
Vorteil dieser Methoden liegt in der Möglichkeit der Differenzierung 
von Aggravation, Hysterie und organischer Schädigung. Z. B. konnte 
abgeleitet werden, daß gerade Stirnhirnverletzte die tiefgreifende Ver¬ 
änderung ihrer Arbeitspsyche durch charakteristische schwankende 
Arbeitskurven kundgaben. Als Regel zeigte sich, daß im allgemeinen 
die Herabsetzungen weniger in einer Zunahme der Fehler als in einer 
Verlangsamung der Arbeitszeit zum- Ausdruck kamen. Auf Grund von 
Gaußschen Häufigkeitskurven konnte der Nachweis erbracht werden, 
daß ein erheblicher Teil der Allgemeinschädigung durch Hirnverletzung 
noch in den großen Bereich der normalen Schwankungen hineinfällt, 
u. U. also bloß statistisch gesichert werden kann. 
3. Anwendung der Psychologie in der Übungsschule. 
Wenngleich bezüglich der Untersuchung der aphasischen Störungen 
die klinische Methode sich als im wesentlichen ausreichend erwies, so 
konnte doch durch die Verschärfung der theoretischen Fragestellung 
bei der Sonderung der verschiedenen Aphasieformen Wertvolles von 
der Psychologie gebraucht werden, wodurch sich eine Verbesserung 
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der individuellen Ubungsbehandlung ergab. Ebenso konnten auf Grund 
psychologischer Methoden entwickelte neue, leistungssteigernde Ver¬ 
fahren gefunden werden.
        

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