Bauhaus-Universität Weimar

Psychologische Erfahrungen an Amputierten. 
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Meine eignen Versuche dienten auch mehr praktischen Zwecken. 
Sie zerfallen in 2 Gruppen, indem einerseits die Leistungen des 
Muskels bei dauernder Anspannung, andererseits periodisch verlaufende 
Leistungen bestimmt werden sollten. Was die zuerst genannten 
Leistungen angeht, so ist mit Be the daran zu erinnern, „daß die 
Kraft des gespannnten Skelettmuskels physikalisch die Dimension 
einer Kraft, physiologisch aber die einer Arbeit hat, da er den Zu¬ 
stand der Verkürzung nur durch innere Arbeit (Steigerung der Ver¬ 
brennung) aufrecht erhalten kann, trotzdem äußere Arbeit bei gleicher 
Gegenkraft nicht geleistet wird“ (3). Die bei periodischer Arbeit er¬ 
zielten Ergogramme tragen einen ähnlichen Typus wie die bei ent¬ 
sprechender Arbeit eines Fingermuskels erhaltenen. Für die Arbeit 
des Sauerbruch-Muskels ist nach Bethe das Produkt von Querschnitt 
und Länge des Muskels, also seine Masse, maßgebend. So wie beim 
tierischen Muskel fand Bethe auch für den Sauerbruch - Muskel, 
„daß er die größte Leistung zeigt, wenn er vor der Erregung über 
seine unbelastete Buhelänge um einen gewissen Teil gedehnt wird“. 
Für die Ausnutzung der Muskelkraft in der Prothese empfiehlt sich 
darum eine gewisse, den Muskel dehnende Vorspannung. 
V. Zur Psychologie der Prothese. 
„Die Geschichte der künstlichen Hände ist kurz und einfach. 
Keiner der Chirurgen des Altertums, weder Hippokrates, Galen noch 
Celsus, erwähnen Ersatzglieder für Amputierte. Der jüngere Plinius 
erzählt von einem Börner Marcus Sergius, der im 2. punischen Kriege 
die Hand verlor und sich nach eignen Angaben eine eiserne Hand 
hersteilen ließ“ (43). Berühmt geworden ist die 1504 gebaute eiserne 
Hand Götz von Berlichingen, deren Finger passiv beweglich waren. 
Die erste willkürlich bewegbare Hand ist 1835 von Ballif, einem 
chirurgischen Techniker und Zahnarzt in Berlin, hergestellt worden. 
Wir können in dieser Hand eine Vorläuferin des Carnes-Armes sehen, 
deren aktive Bewegung in äußerst sinnreicher W^eise durch eine Be¬ 
wegung des Stumpfs und anderer Teile des Körpers erfolgt. „Durch 
die Zuordnung zwischen den Druck- und Zugempfindungen des Bumpfes 
bezw. den Tast- und Spannungsempfindungen in den sich bewegenden 
Körperteilen und den Gesichtsempfindungen von der Stellung der 
künstlichen Finger weiß der Amputierte dann auch bei geschlossenen 
Augen, in welcher Stellung sich die Finger seiner Kunsthand befinden. 
Den überragenden Teil des Empfindungskomplexes bilden die Tast-
        

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