Bauhaus-Universität Weimar

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D. Katz. 
Noyons’ und y. Uexkülls, die Yerhärtung des Muskels als be¬ 
wegende Kraft ausnutzte. In ähnlicher unblutiger Weise verwendet 
Böhm (8) die Verdickung des Muskels, um Querhehel zu bewegen 
und so auf bewegliche Teile der Prothese zu wirken. 
In all diesen Fällen lassen sich interessante Versuche psycho¬ 
physiologischer Art durchführen, bei denen man sich bislang auf den 
Tiermuskel beschränkt hatte. Ausführlichere Versuche sind nur am 
Sauerbruch-Muskel durchgeführt worden und zwar über seine Kraft- 
Empfindungen, seine Bewegungsempfindungen und seine Arbeitsleistung. 
Bei einer Prüfung mit gehobenen Gewichten ergab sich sowohl 
für den Bizeps wie für den Trizeps eine U. E., die der der gesunden 
Hand etwa gleich war1). Die U. E. der tunellierten Muskeln zeigte 
mit wachsendem Gewicht eine ausgeprägte, wenn auch nicht sehr 
große Zunahme. 
Es ist sicher bezeichnend, daß diese Versuche sofort bei der 
ersten Inanspruchnahme der Muskeln durch Gewichte gelangen. Diese 
Versuche enthalten eine sehr schöne Bestätigung der Behauptung 
von Freys, daß die Organe, deren Empfindungen dem Gewichts¬ 
eindruck zugrunde liegen, in den Muskeln resp. ihren Sehnen selbst 
zu suchen sind. Wir können auf Grund dieser Versuche weiter 
sagen, daß es wahrscheinlich Sinnesorgane in den oberen Teilen des 
Muskels sind, die diese Empfindungsgrundlage abgeben, denn, obwohl 
die distalen Teile der Muskeln vernichtet sind, wird die U. E. für 
gehobene Gewichte nicht wesentlich davon berührt. Kleinere Ge¬ 
wichte greifen infolge der Verteilung des Drucks im Kanal nicht 
mehr so wirksam an den Sinnesorganen an wie in gesunden Tagen, 
darum ist der Sauerbruch-Muskel für die kleineren Gewichte unter¬ 
empfindlich. 
Der Fechnersche Zeitfehler weicht am Stumpf in beträchtlicher 
Weise von dem der gesunden Seite ab. Wenn auch eine Erklärung 
für den Gang dieses Wertes im einzelnen nicht gegeben werden kann, 
so ist die Tatsache selbst nicht befremdlich, weil der Stumpf be¬ 
züglich der Blutversorgung und Ernährung wesentlich anders gestellt 
ist als der gesunde Arm. 
Vergleicht man die Resultate von Gewichtshebungen bei aktivr 
und bei passiv bewegtem Muskel, so zeigt sich im allgemeinen eine 
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kleine Überlegenheit der U. E. für den aktiv bewegten Muskel. Be¬ 
stimmt man aber das kleinste überhaupt wahrnehmbare Gewicht, so 
1) C. ten Horn hat dies Ergebnis bestätigt. Deutsche Zeitschr. f. Chir., 
Bd. 161, 1921.
        

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