Bauhaus-Universität Weimar

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D. Katz. 
haupt gegenseitige Mitbewegungen nicht mehr möglich sind. Verweilen 
wir noch einen Augenblick bei diesen Mitbewegungen. Sie sind ein 
Zeichen dafür, daß dem Amputierten die Bewegung, die er am Phantom¬ 
glied ausführt, als eine solche erscheint, die schwer auszuführen ist, 
wir sehen ja gegenseitige Mitbewegungen auch bei ergographischen 
Versuchen auf treten, wenn es dem Ende zugeht. Warum erscheinen 
dem Amputierten die Bewegungen am Phantomglied als schwer aus¬ 
zuführende? „0. Förster hat angenommen, daß die Teilnahme von 
synergischen Bewegungen an der Hauptagonistenbewegung das Produkt 
einer Intervention zentripetaler Merkmale sei . . . jede koordinierte 
Zweckbewegung bedarf der zentripetalen Regulierung von seiten der 
Bewegungsgefühle. Diese werden mit der Hauptagonistenbewegung 
ausgelöst, sie übermitteln gleichsam dem sensiblen Projektionsfeld, wo 
muskuläre Innervation, wo qualitative und quantitative Steigerung oder 
Abstufung nötig sei . . . Die Erschwerung der vermeintlichen Bewe¬ 
gung der amputierten Extremitäten liegt nun klar: Der Amputierte 
intendiert die Hauptagonistenbewegung; aber die von den Muskel-, 
Gelenk- und sonstigen Tiefengefühlen in diesem Moment an das 
sensible Zentrum zu meldenden zentripetalen Impulse fehlen oder 
werden abnorm und mangelhaft ausgelöst und zentripetal berichtet“ (12). 
So lehrreich an und für sich auch diese Betrachtungen über die gegen¬ 
seitigen Mitbewegungen bei Amputierten sein mögen, so geht schon 
aus dem Gesagten hervor, daß sie die Bewegungsillusionen nicht 
erklären können. In meiner ausführlichen Darstellung habe ich noch 
einige andere Punkte erwähnt, die dagegen sprechen, daß die Bewegungs¬ 
illusionen ihre Erklärung durch wirkliche Bewegungen von anderen 
Muskeln des Körpers finden können. Der Ablauf der Bewegungen 
am Phantom erfolgt langsamer als derjenigen der Muskeln, die sonst 
in Frage kämen. Weiterhin kommen am Phantomglied Bewegungen 
vor, die am natürlichen Glied nicht möglich sind. Sehr bedeutsam 
ist schließlich die Tatsache, daß fast in jedem einzelnen Fall der 
Amputierte immer nur in der Lage ist, einige Teile des Phantomglieds 
zu bewegen, andere ebenso deutlich empfundene aber nicht. Wie will 
man es plausibel machen, daß die ungewollt eintretenden Mitbewegungen 
nur mit den Illusionen derjenigen Gliedteile eine Verschmelzung ein- 
gehen, die wirklich bewegt erscheinen, mit den anderen aber nicht? 
Auch die Annahme einer verschiedenen Deutlichkeit der kinästhetischen 
Vorstellungsbilder führt nicht, wie man wohl auch gelegentlich ver¬ 
sucht hat, zu einer Erklärung des vorliegenden Tatsachenmaterials. 
Eine restlose Erklärung aller auf die Bewegungsillusionen beziig-
        

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