Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die subjektiven Anschauungsbilder (mit Vorführung von Versuchen)
Person:
Jaensch, E. R.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39457/14/
Über die subjektiven Anschauungsbilder. 
such erschien der mittlere Bildfaden 12 cm vor der Ebene der seit¬ 
lichen Bildfäden, wenn der Beobachtungsabstand 50 cm betrug, 24 cm 
vor den Seitenfäden, wenn aus 25 cm Abstand beobachtet wurde; 
dagegen befand sich der mittlere Bildfaden bei 150 cm Beobachtungs¬ 
abstand 35 cm hinter den seitlichen Bildfäden. J a e n s c b und Reich 
untersuchten diese Erscheinung an 19 Eidetikern mit durchweg sehr 
deutlichen AB. Der in dem vorgeführten Beispiel verwirklichte Fall, 
daß bei Annäherung aus einer gewissen Region der Mittelfaden stet& 
vortritt, bei Entfernung stets zurücktritt, ist der häufigste. Wir nennen 
ihn I. Typus oder Normalfall. Daneben kommt nach den ange¬ 
führten Untersuchungen ein II. Typus vor. Er ist dadurch charak¬ 
terisiert, daß die Verlagerung der Fäden bei der Entfernungsänderung 
gelegentlich, d. h. in manchen Versuchsreihen oder an manchem 
Versuchstagen, auch ausbleiben kann. Die Fäden bleiben hier zuweilen 
in einer Ebene, während sie an anderen Versuchstagen ganz in der 
Art des Normalfalls ihre Lage ändern; es kommt bei diesem II. Typus 
aber keine Verlagerung vor, die der des Normalfalls entgegengesetzt 
wäre. Beim III. Typus nun kommen vereinzelt auch solche Verkehrt¬ 
heiten vor. Niemals aber kam es vor, daß das dem Normalfalle ent¬ 
gegengesetzte Verhalten in einem Falle zur Regel wurde. Erst nach¬ 
dem diese Versuche an AB abgeschlossen waren1), haben wir mit 
unseren Vpn. die ganz entsprechenden Versuche an wirklichen 
Fäden, also im gewöhnlichen Sehen, angestellt. Hierbei ergeben 
sich ebenfalls jene 3 Typen, obwohl das Vor- und Zurücktreten der 
Fäden hier im allgemeinen sehr viel geringer ist. Es ergibt sich, daß 
dieselbe Vp. im eidetischen Sehen, d. h. im AB, und im gewöhnlichen 
Sehen ein entsprechendes Verhalten zeigt. Eine Versuchsperson, dio 
beim eidetischen Sehen zum I. Typus gehört, gehört hierzu auch im 
gewöhnlichen Sehen, und so fort. Im „Normalfalle“ scheint, wie ge¬ 
sagt, der Mittelfaden bei Annäherung von einer gewissen Region her 
vorzutreten, bei Entfernung zurückzutreten. Diese Erscheinung des 
Normalfalls ist für das gewöhnliche Sehen schon lange bekannt,, 
und zwar unter dem Namen „Hering-Hillebrandsche Horopter¬ 
abweichung“. Reich zog auch eine größere Zahl gewöhnlicher, nicht- 
eidetischer Versuchspersonen heran, und fand hier ebenfalls jene 
3 Typen vertreten. Somit ergibt sich bei Untersuchung der Horopter- 
x) Die Einhaltung dieser Vorsichtsmaßregel ist bei diesen, wie bei vielen 
anderen eidetischen Untersuchungen nötig, um dem Einwand vorzubeugen, die Er¬ 
scheinungen im Anschauungsbild könnten durch vorangängige Beobachtungen am 
wirklichen Objekten beeinflußt sein.
        

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