Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die kymocyclographische Methode der Bewegungsuntersuchung
Person:
Bernstein, Nicolai
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39454/10/
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Nik. Bernstein 
Kontrollampe eingeschlossen) führt, durch ein kleines Rheostat 
durch, das jedoch vom Strome auf kürzerem Wege umkreist werden 
kann. Auf diesem letzteren Wege wird ein Metronomstromöffner 
angebracht, der den kurzen Weg einmal pro Sekunde für ein 
Zehntel der Sekunde unterbricht. Mit Hilfe eines solchen Sekunden¬ 
zeigers, der alle an der Aufnahme beteiligten Lampen jede Sekunde 
gleichzeitig für einen Augenblick trübt, weist das Erkennen der 
entsprechenden Punkte nunmehr keine Schwierigkeiten auf. 
Eig. 312 stellt das von uns bei K.-Z.-Aufnahmen anwendbare 
Schaltschema dar, welches alle beschriebenen Vorrichtungen ver¬ 
wirklicht. 
Das auf beschriebene Weise konstruierte Kymocyclographion 
ermöglicht Aufzeichnungen verschiedenster Arten normaler und 
pathologischer Bewegungen zu erhalten. Da die K.-Z.-Kassette 
ebensogut auch an die stereoskopische Kamera angeschaltet werden 
kann, so erweisen sich ihr die dreidimensionalen Bewegungen 
ebenfalls vollkommen zugänglich. In diesem letzteren Ealle emp¬ 
fehlen wir, eine prismatisch erweiterte optische Basis1) anzuwenden. 
Als Beispiele der Anwendung dieser Kamera, wollen wir hier 
nur einige Aufnahmen anführen, die von uns einzelnen, gegen¬ 
wärtig in unseren Laboratorien ausgeführten Arbeiten entnommen 
sind. Alle angeführten Aufnahmeproben stellen Kegative vor 
(schwarze Punkte auf weißem Grunde), da sie in diesem Zustand 
viel klarer und für die Reproduktion zugänglicher sind. 
Fig. 313 stellt ein K.-Z. des Feilens dar. Oben sieht man die 
Figur der V.-P., eines geübten Schlossers, nebst einem gewöhnlichen 
Cyclogramm eines Bewegungszyklus, das bei stillstehendem Film 
aufgenommen worden ist. Dieses Cyclogramm ist so gut wie völlig 
unlesbar. Unten sind fünf folgerechte Cycla derselben Bewegung 
zu sehen, die auf dem sich bewegenden Film photographiert worden 
sind. Alle Einzelheiten der Bewegung sowie der Augenblicke des 
Stillstehens sind auf dieser Aufnahme außerordentlich klar zu 
sehen. Das Studium der K.-Z.-Aufnahmen dieser Serie hat uns 
im Jahre 1924 erlaubt, die von uns zuerst beschriebene Gesetz¬ 
mäßigkeit einer äußerst schnellen Konvergenz der die rhythmischen 
Bewegungen darstellenden Fourier sehen Reihen2) besonders genau 
zu unterstützen. Eine hohe Stufe der analytisch-mechanischen 
Einfachheit dieser Bewegungen konnte später auch mittels der 
von uns vorgeschlagenen Methode der Spektralanalyse der trigono¬ 
metrischen Reihen3) gezeigt werden. Für den in der Fig. 313 
1) G. Pul fr ich : Neue stereoskopische Methoden und Apparate. Berlin 1909; 
A. W. Judge: Stereoscopic Photography. London 1926. S. 140. 
2) A. Bernstein: Unters, d. Zentr.-Arb.-Inst, in Moskau. 1. 37 und 66 (1923). 
3) N. Bernstein: Analyse aperiodischer trigonometrischer Reihen. Zeitschr. 
f. angew. Mathem. u. Mechanik, Bd. 7, 1927, S. 476.
        

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