Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Gesetzlichkeit der bildenden Kunst. Eine Darlegung der Kunsttheorie Conrad Fiedlers. Mit einem Anhang: Aus dem Nachlass Conrad Fiedlers. (Einleitung und II, 1-5.). Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde genehmigt von der Philosophischen Fakultät der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin.
Person:
Konnerth, Hermann
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39444/45/
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Ziehung ist verschwunden. Aber mit der Möglichkeit, das 
Sehen um seiner selbst willen zu betreiben, mit der Eröff¬ 
nung einer ganz neuen Bahn für unser Wirklichkeitsbewusst¬ 
sein, sehen wir sogleich die Aufgabe, zu prüfen, inwieweit 
es uns möglich sein kann, auf derselben vorzudringen. „Es 
handelt sich ja nicht um das blosse Wahrnehmen eines sicht¬ 
bar Vorhandenen, sondern um die Entwicklung und Bildung 
von Vorstellungen, in denen sich die Wirklichkeit allererst 
darstellt, sofern sie eine sichtbare Wirklichkeit sein kann.“ 
Wir haben es nicht mehr zu tun mit körperlich Festem,. 
da dies eben kein Sichtbares ist; der alleinige Stoff für ein 
Wirklichkeitsbewusstsein sind nunmehr Licht- und Farben¬ 
empfindungen. Fremd ist hier alles Schliessen auf etwas, 
was nicht mehr dem Gebiet des Gesichtssinnes angehört, 
fremd [alles, was von einem Gegenstand gewusst werden 
kann. Es gäbe uns doch nicht die Bestimmtheit und Klarheit, 
das Wissen dessen, was wir sehen. Wir wüssten noch 
nicht, wie der Gegenstand aussieht.- Fremd ist auch jeder 
sprachliche Ausdruck. Statt den Gesichtseindruck beschrei¬ 
bend zu fassen, würden wir eben durch die sprachliche Be¬ 
schreibung von ihm abgelenkt und seine selbständige Ent¬ 
wicklung statt gefördert, wieder unmöglich gemacht wer¬ 
den. All dies hat für das sichtbare Bild der Dinge keine ge¬ 
staltende Macht. 
Erst dadurch, dass wir versuchen, uns mittelst des Sehens 
selbst über ein Gesehenes Rechenschaft zu geben, gelangen 
wir zu einer Einsicht, in den "Zustand unseres sichtbaren 
Weltbildes, zum Bewusstsein jener Schranken, welche sich 
einer Entwicklung unseres Weltbildes seiner Sichtbar¬ 
keit nach entgegenstellen. Es sei die Vorstellung eines Ge-
        

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