Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Gesetzlichkeit der bildenden Kunst. Eine Darlegung der Kunsttheorie Conrad Fiedlers. Mit einem Anhang: Aus dem Nachlass Conrad Fiedlers. (Einleitung und II, 1-5.). Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde genehmigt von der Philosophischen Fakultät der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin.
Person:
Konnerth, Hermann
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39444/13/
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die kleinste Fläche zu einer ganzen Welt von Erscheinung 
entwickeln kann“, wenn wirklich jeder Strich einem anschau¬ 
lich Vorgestellten, einer bewussten und empfundenen Form 
entspricht, wenn er räumliche Bedeutung hat. Kardinah 
und Angelpunkte des Zusammenhangs und der Gliederung 
sind aber für Marées: die aufruhenden Teile des Körpers 
und die Gelenke. 
Wir übergehen die besonderen Kompositionsprinzipien 
Marées’, es sind die Prinzipien einer klassischen Kunst, 
ebenso die Bemerkungen über die Maltechnik vor der Bild¬ 
tafel, die wir in unserm Büchlein finden, und heben nur noch 
weniges heraus. 
Indem Marées das Ziel , der Malerei darin sieht, dass 
sie eine anschauliche Vorstellung zu möglichst klarer ;und 
vollständiger bildnerischer Entwicklung bringe, besteht er 
auf einem Realismus, wobei er aber nicht an eine Naturnach¬ 
ahmung denkt, sondern an eine Schöpfung, wie sie aus 
einem hochentwickelten Seh- und Vorstellungsvermögen her¬ 
vorgeht. 
Marées sah in der künstlerischen Tätigkeit einen Er¬ 
kenntnisprozess, ein unmittelbares Erfassen der uns um¬ 
gebenden Welt durch das äussere und innere — gestaltende 
— Gesicht. Wie Dürer galt ihm das Gesicht als der 
edelste Sinn des Menschen, dessen Ausbildung aber auch 
als die schwierigste Aufgabe, die ein ganzes Menschenleben 
mit all seinen physischen, geistigen und sittlichen Kräften in 
Anspruch nehme. 
Den Trieb nach Einheit und Harmonie äussert der 
Mensch als Drang nach Erkenntnis. Und der Künstler macht 
keine Ausnahme. Auch in ihm spielt sich das Ringen der
        

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