Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Skizzen aus der Lehranstalt für experimentelle Pathologie in Wien
Person:
Stricker, S.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39435/37/
Ich habe bei meinem Eintritte in dieses Wissensgebiet, 
dem literarischen Thatbestande gemäss, zwei „Zuckungs¬ 
gesetze“ oder, wie ich lieber sagen will, zweierlei Lehren 
über die Muskelzucbungen vorgefunden. Die eine Lehre, 
durch Brenner eingefübrt, gehörte der Nervenpathologie 
an, während die andere als in der Physiologie dominirend 
bezeichnet werden darf. Mein erstes Streben war nun darauf 
gerichtet, zu untersuchen, ob sich zwischen diesen beiden — 
der verbalen Fassung nach verschiedenen — Lehren ein Zu¬ 
sammenhang herausfinden liesse. 
Die verbale Fassung des Zuckungsgesetzes der Patho¬ 
logen schien mir die einfachere zu sein. Sie enthält eigent¬ 
lich nur eine kurz gefasste Beschreibung des Thatbestandes. 
Das in der Physiologie dominirende Zuckungsgesetz schloss 
aber der verbalen Fassung nach eine Hypothese in sich. 
Das Ergebniss meiner im Jahre 1878 aufgenommenen und 
1881 publicirten Untersuchung war, dass ich diese Hypothese 
zurückweisen musste. Dabei bin ich aber zu der Meinung 
gedrängt worden, dass die einschlägige Lehre von der 
strömenden Flektricität eine Lücke in sich berge. 
‘) loh wähle diesen Ausdruck, um anzudeuten, dass nicht alle Physio¬ 
logen, -welche sich über das Zuckungsgesetz geäussert haben, eines Sinnes sind. 
Ich kann hier nicht noch einmal auf die Geschichte des Faches eingehen, welche 
ich ausführlich in meiner Monographie „Neuroelektrische Studien“, Wien, Brau¬ 
müller, 1883 behandelt habe. Doch um nach keiner Seite hin Unrecht zu thun, 
erwähne ich noch einmal, dass schon Pf aff (1795), als der Begründer der 
Lehre, die Erscheinungen so objectiv beschrieben hat wie später Brenner, 
und dass unter den Physiologen Chauveau das Verdienst zugesprochen 
werden muss, die Verhältnisse nüchtern anfgefasst zu haben. 
Um auch einer — nur andeutungsweise — an mich gelangten Mah¬ 
nung Rechnung zu tragen, führe ich hier an, dass auch Pflüger, Unters, 
ü. d. Phys. d. Elektrotonus, Aussagen gemacht hat, welche der, wie ich 
glaube, besseren Erkenntniss der Sachlage gleichfalls entsprechen. Die Dar¬ 
stellung Pflüger's ist aber nicht so geartet, dass ich sie hätte als Stütze 
und Vorläufer meiner Behauptungen eitiren können , ohne Gefahr zu laufen, 
öffentlich desavouirt zu werden. Wenn man auf die Ausdrucksweise „be¬ 
ginnender Katelektrotonus“ kein besonderes Gewicht legt, dann gebührt 
Pflüger ein gleicher Antheil an der Fundirung der Lehre wie Chauveau.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.