Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aus dem Museum IV.: Ueber die Schwierigkeiten des demonstrativen Unterrichts und seine Hilfsmittel, insonderheit über einen neuen Universal-Projektionsapparat
Person:
Kaiserling, C.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39431/7/
Ueber die Schwierigkeiten des demonstrativen Unterrichts etc. 
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gogik und, wenn ich so sagen darf, Bildungsidealismus nur von grösstem 
Nutzen sein würde. Peccatur extra et intra muros. 
Einstweilen heisst es mit dem Vorhandenen sich abzufinden, und so 
muss der Universitätslehrer das Versäumte nachzuholen streben, ln 
ihrem ganzen Umfange werden während des medizinischen Studiums 
bei dem üblichen Studiengange die Mängel der Vorbildung zum 
ersten Male deutlich und offenbar im pathologisch-anatomischen Unter¬ 
richte. Um sie einigermassen zu beseitigen und dem Fachordinarius die 
gröbsten Schwierigkeiten abzunehmen, ihm das Feld zu ebnen und kost¬ 
bare Zeit zu ersparen, den Studenten das Verständnis zu erleichtern, 
müsste meiner Meinung nach eine propädeutische Vorlesung, ein tiroci¬ 
nium anatomico-pathologicum vorausgehen. Hier wäre die Brücke zu 
bauen zwischen der normalen und der pathologischen Anatomie und 
Histologie, die Methodik der Diagnostik und ihre Hülfsmittel technischer 
Art müssten geübt, der innere Zusammenhang der verschiedenen Zweige 
dargelegt und eine Anleitung zu fruchtbringendem Arbeiten gegeben 
werden, insbesondere, was durch Gedächtnis, was durch Beobachtung, 
was durch Denken erworben werden muss. Seit Jahren habe ich mich 
dieser Aufgabe in kleinem Kreise unterzogen und öfter die Genugtuung 
gehabt von älteren Kollegen, die nach Niederlegung der Praxis aus Amt 
und Würden wieder mit jugendlichem Interesse an der wissenschaftlichen 
Seite der Medizin zur Alma mater zurückkehrten, zu hören, dass meine 
Idee und ihre Ausführung ihnen nützlich gewesen sei und das Ver¬ 
ständnis mancher Dinge ihnen geöffnet habe. Meine Beobachtungen in 
diesen Vorlesungen haben mir je länger, desto fester meine Meinung 
begründet. 
Aber wie die Dinge liegen, wo wäre auch kein „Aber“, ist daran 
nicht zu denken. Der Student bemüht sich nur zu lernen, was er im 
Examen braucht. Den meisten wird erst später in der Praxis klar, 
dass sie manches anders hätten machen sollen. Unsere Studenten sind 
ganz frei in der Wahl ihrer Kollegien, wenigstens in der pathologischen 
Anatomie, auch nach den neuen Prüfungsvorschriften. Möge diese Frei¬ 
heit ihnen auch erhalten bleiben, wenn sie nur nicht so ausartet, dass 
jemand meint, er könne genug lernen, wenn er einmal die Ferien über 
als Famulus in einem pathologischen Institute der Universität oder eines 
Krankenhauses arbeitete ! 
Die Schwierigkeiten, die bisher erörtert sind, sind zwar wohl die 
grössten, die einem gedeihlichen Unterricht entgegenstehen, aber sie zu
        

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