Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aus dem Museum IV.: Ueber die Schwierigkeiten des demonstrativen Unterrichts und seine Hilfsmittel, insonderheit über einen neuen Universal-Projektionsapparat
Person:
Kaiserling, C.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39431/4/
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C. Kaiserling, 
möchte ich dann die praktisch diagnostische Ausbildung erfahren durch 
einen makroskopisch und mikroskopisch diagnostischen Kursus. Der 
erstere wäre am besten erteilt als Sektionskursus dreimal wöchentlich, 
der letztere mit ihm alternierend an fertig hergestellten gefärbten und 
gehärteten Präparaten, sowie an frischem Material, das selbst zu präpa¬ 
rieren wäre, wie es im Examen verlangt wird. Und in allen Kursen 
möchte ich den Unterricht als persönliche Unterweisung, privatissime, 
in der dauernden Verbindung mit dem Kolloquium erteilt haben. Ganz 
abgesehen davon, dass es kaum möglich sein dürfte, überall den Unter¬ 
richt so zu erteilen, da ja vom Material und den disponiblen Mitteln 
und Hilfskräften gar viel abhängt, kommt noch eine Gruppe von Schwie¬ 
rigkeiten in Betracht, der ich seit Jahren eine dauernde Aufmerksamkeit 
zugewendet habe, Schwierigkeiten, die im Studenten nur allzu fest und 
schier unausrottbar begründet sind. Es gibt drei Hauptgruppen von 
Vorlesungsbesuchern, die Widerwilligen, die Gleichgültigen und die Eifrigen. 
Mit den ersteren ist gar nichts anzufangen, sie bleiben nach wenigen 
Stunden weg. Die letzten sind selbst bei einem ungeschickten Lehrer 
eifrig und linden kralt des ihnen innewohnenden Willens zum Lernen 
stets und überall ihre Rechnung. Aber leider sind ihrer nur sehr wenige. 
Zahlenmässig zu sagen, wie viele, ist nicht recht möglich, aber mehr als 
10 pCt. sind es sicher nicht. Ungefähr ebenso viele sind ganz unbrauch¬ 
bar. Der Rest, die Hauptmenge, ist indifferent. Sie zu interessieren, 
ist Sache des Lehrers, und demgemäss ist der Unterricht der beste, der 
aus einem Gleichgültigen einen Interessenten macht, und ich meine, dass 
auf diese Mittelklasse die Methode zugeschnitten werden muss. Es gibt 
zwei Möglichkeiten, dies zu tun. Entweder man studiert die Wünsche 
der Hörer. Diese sind: alles so vorgesetzt zu bekommen, dass sie ohne 
Nachdenken und Arbeit die für das Examen nötigen Dinge zu erlernen 
scheinen. Ich sage absichtlich scheinen, denn der Nürnberger Trichter 
ist noch immer ein ungelöstes Problem, und die auf solche Art vorbe¬ 
reiteten oder, wie der Kimstausdruck lautet, eingepaukten Kandidaten 
können nichts und versagen sofort, wenn an ihr Urteil ein Anspruch 
gestellt wird. Sie sind der Schrecken aller verständigen Examinatoren. 
Oder, und dieser Weg ist der richtige, man sucht die Hörer so zu beein¬ 
flussen, dass sie Methode lernen, sich methodisch üben, dass man sie 
zum Nachdenken, zum Arbeiten aus Interesse anleitet. Nichts ist unser 
dauerndes geistiges Eigentum, nichts ist ein zins- und freudebringender 
Besitz, was nicht durch eigene harte Arbeit erworben, was nicht gleich-
        

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