Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aus dem Museum IV.: Ueber die Schwierigkeiten des demonstrativen Unterrichts und seine Hilfsmittel, insonderheit über einen neuen Universal-Projektionsapparat
Person:
Kaiserling, C.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39431/3/
Ueber die Schwierigkeiten des demonstrativen Unterrichts etc. 
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typischen Erscheinungsformen krankhafter Prozesse ebenso fest im Ge¬ 
dächtnis haften, wie ihre Definitionen, makroskopisch wie mikroskopisch. 
In den meisten Fällen wird der Unterricht nach der von Yirchow ein¬ 
geschlagenen Richtung so erteilt, dass zunächst ein Kolleg über allge¬ 
meine Pathologie und pathologische Anatomie gelesen wird, im nächsten 
Semester ein solches über spezielle pathologische Anatomie und dass 
neben diesen Hauptkollegs Demonstrationskurse, mikroskopisch-histo¬ 
logische und Sektionskurse gehalten werden zur Einführung in praktische 
Arbeiten. Gelegentlich finden auch diagnostische Kurse, meist an makro¬ 
skopischen Objekten, statt. Es ist selbstverständlich, dass jeder Ver¬ 
treter unseres Spezialfaches seine individuellen Ansichten über die beste 
Art des Unterrichts hat und demgemäss mehr das eine oder andere be¬ 
vorzugt. Wenn ich selber noch einmal als Student pathologische Ana¬ 
tomie lernen müsste, würde ich den meisten Vorteil haben, wenn ich 
folgende Kollegs und Kurse hören könnte: im ersten Semester allge¬ 
meine Pathologie und pathologische Anatomie mit redit eindringlichen 
Demonstrationen makroskopischer und mikroskopischer Präparate, da¬ 
neben einen propädeutischen Kursus zur Erlernung der Methodik und 
Arbeitsweise. In der normalen Anatomie lernen die Studenten Form 
und Lage, Gefäss- und Nervenversorgung kennen, aber das normale, 
frische, der Leiche eben entnommene Organ nach Farbe, Blutgehalt und 
Struktur als normal zu erkennen, vermag nur selten einer, wie ich mich 
durch vielhundertfache Versuche überzeugt habe. Wer kann Pathologi¬ 
sches erkennen, der nicht Normales kennt? Das ist die grösste Schwie¬ 
rigkeit für den Lehrer der Pathologie. Er muss entweder Vorkenntnisse 
des Studenten als vorhanden annehmen, die er nicht besitzt, oder un¬ 
endliche Zeit und Arbeit aufwenden, um sie nachzuholen. Der Student 
seinerseits baut ohne das richtige Fundament, er versteht mangels einer 
Einführung vieles nicht, das Wie und Warum bleibt ihm dunkel. Ich 
komme darauf noch zu sprechen. Im zweiten Semester würde ich dann 
einen systematischen Demonstrationskursus hören mögen, in dem organ¬ 
weise makroskopisch und mikroskopisch die Lehren der allgemeinen 
Vorlesung auf die Spezialerkrankungen übertragen, mir an frischem und 
konserviertem Material gezeigt würden. Durch die Verbindung von De¬ 
monstration und Kolloquium kann sich der Lehrer überzeugen, ob richtig 
gesehen und verstanden ist, und die Lässigen anspornen. Hierzu dürften 
täglich zwei Stunden nötig sein. Die theoretische Vorlesung über spe¬ 
zielle pathologische Anatomie könnte wegfallen. Im dritten Semester
        

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