Bauhaus-Universität Weimar

86 
II. Teil Apparate für besondere Zwecke. 
folgende Beschreibung: „Das Haus in Brand“. Zunächst sieht man das Haus 
am Tage (I. Laterne), dann bei Nacht (II. Laterne); es bricht Feuer aus (in der 
III. Laterne befindet sich eine „bewegliche Feuerplatte“, welche gleichzeitig 
mit dem Bilde der II. Laterne auf den weißen Vorhang projiziert wird); die 
Feuerwehr rückt an (I. Laterne); Schluß: die verkohlten Überreste (II. Laterne). 
Zu der ganzen Schauerszene sind also fünf Bilder erforderlich. Man glaube 
aber nicht, daß es sich bei dem Anrücken der Feuerwehr um wirkliche 
Bewegungsbilder handelt, wie wir dieselben bei kinematographischen Dar¬ 
stellungen zu sehen gewohnt sind. Bei den zwei- und dreiteiligen Nebelbild¬ 
apparaten ist jede einzelne Darstellung leblos (zumeist handelt es sich um 
gemalte Glasbilder), nur die „beweglichen Feuerplatten“ und die „beweg¬ 
lichen Wasserplatten“ besitzen Vorrichtungen, bei denen durch gegenseitiges 
Verschieben von zwei bemalten Glasplatten der Eindruck hervorgerufen w7ird, 
als ob Feuer lodert oder Wellen sich bewmgen. Man liebte es auch, kreisende 
Räder (z. B. Mühlräder oder dergl.) vorzuführen; dann mußte aber im Glas¬ 
bilde ein drehbares Rad angebracht werden, welches während der Vorstellung 
in Umdrehung versetzt wird. 
Eine beliebte Darstellung für die dreifache Laterne war auch das Aus¬ 
wandererschiff: das Schiff in vollem Sonnenlichte (I. Laterne); das Schiff bei 
Nacht (II. Laterne); es beginnt zu blitzen (in der III. Laterne befindet sich 
eine Platte mit gemalten Blitzen, welche gleichzeitig mit dem Bilde der 
II. Laterne projiziert werden; das Aufleuchten der Blitze wird dadurch bewerk¬ 
stelligt, daß man die ausgepreizte Hand vor dem Objektiv der III. Laterne 
bewegt); das Schiff brennt (in der I. Laterne befindet sich eine „bewegliche 
Feuerplatte“, welche gleichzeitig mit dem Bilde der II. Laterne projiziert 
wird); Schlußbild: das Wrack des Schiffes. 
Noch bis vor wenigen Jahren wurden in den Preisverzeichnissen über 
Projektionsartikel Agioskope angeboten, welche die Kleinigkeit von 2250 Mk. 
kosteten, also jedenfalls nicht als Weihnachtsgeschenk für unsere Kleinen 
gedacht waren. Jetzt scheint für diese Drillings-Mißgeburten, die vorwiegend 
in England gebaut werden, in Deutschland wenigstens keine Nachfrage mehr 
zu sein. 
Da die dreifachen Laternen etwas kostspielig sind, so suchte man sich 
dadurch zu helfen, daß man an einem großen, mit einer einzigen Lichtquelle 
ausgestatteten Kasten in bestimmter Winkelstellung drei Kondensoren mit 
drei Objektiven anbrachte. Die beiden seitlichen Objektive tragen vorn total 
reflektierende Prismen1). Allgemeine Verbreitung fanden dergleichen Vor¬ 
richtungen nicht. 
Um bei Nebelbildern grausenerregende Wirkungen zu ermöglichen (wofür 
man wieder einen besonderen Namen: „Phantasmagorien“ erfand), setzte man 
den Apparat auf ein mit Gummirädern versehenes Gestell, mit dessen Hilfe 
der Bildwerfer während der Projektion zurückgeschoben wird, so daß die 
Bilder auf der weißen Wand größer werden und den Eindruck erwecken, als 
1) Laterna magica 1899, Nr. 57, S. 9; Nr. 58, S. 39.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.