Bauhaus-Universität Weimar

Mikroskopische Projektion, 
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Erfahrungen diese Behauptung unverständlich. Geschützt vor Hitze muß nicht 
nur das Präparat, sondern vor allen Dingen das teure Objektiv werden, dessen 
Linsen mit Kanadabalsam zusammengekittet sind. Die Präparate verbleiben 
der Regel nach nicht lange auf dem Objekttisch, sondern werden im Verlaufe 
der Projektion häufig ausgewechselt. Bei sehr alten Präparaten, wo der ein¬ 
bettende Balsam bereits steinhart geworden ist, kann es sich ereignen, daß 
dasselbe die Hitze ungewöhnlich lange verträgt. Wir erlebten es jedoch 
unzähligemal, daß das Präparat sofort zu kochen begann, sobald man es 
ohne Einschaltung einer Absorptionsküvette auf den Objekttisch brachte. Noch 
viel ungünstiger liegen die Verhältnisse bei den Objektiven, welche der Regel 
nach lange Zeit im heißesten Abschnitte des Strahlenkegels verbleiben. Man 
darf nicht vergessen, daß bei der mikroskopischen Projektion die Konzentration 
der Strahlen auf einen viel kleineren Raum stattfindet, als bei der makro¬ 
skopischen. Während bei letzterer die Füllung der Absorptionsküvette mit 
abgekochtem Wasser genügt (siehe S. 23), muß man bei mikroskopischer 
Projektion zu Flüssigkeiten seine Zuflucht nehmen, die ein möglichst hohes 
Absorptionsvermögen für Wärmestrahlen haben. Die immer noch empfohlene 
Alaunlösung ist hierfür gänzlich ungeeignet. Dagegen verschlucken alle gelb 
gefärbten Flüssigkeiten die Wärmestrahlen in hohem Grade. Das Beste leistet 
eine angesäuerte, fünfprozentige Eisenchlorürlösung; sie schützt gleichzeitig 
gefärbte Präparate vor dem Ausbleichen. 
Bei mikroskopischer Projektion muß die Flüssigkeitsschicht mindestens 
eine Dicke von 10 cm haben; häufig ist man gezwungen, dieselbe wenigstens 
doppelt so dick zu nehmen. Direkte Kühlung des Präparates durch den 
Zothschen Kühler wird überflüssig bei Benutzung einer hinreichend dicken 
Schicht der Eisenchlorürlösung. Der Zothsche Kühler allein ohne Absorptions¬ 
küvette reicht unter Umständen aus, um das Präparat kühl zu halten; der¬ 
selbe schützt jedoch nicht das Objektiv in genügender Weise, weil die in 
demselben zirkulierende Flüssigkeitsschicht zu schmal ist. 
Einen zweckmäßigen Präparatkühler wendet die Firma E. Feitz an: 
derselbe besteht aus einer Wasserflasche mit planparallelen Wänden, die 
unter dem Objekttisch befestigt wird, aber mit ihrer in der Mitte verdickten 
Vorderseite durch die Öffnung des Objekttisches hindurchragt, so daß das 
Präparat direkt auf der Flasche aufliegt. Auch durch diese Flasche wird die große 
Absorptionsküvette nicht überflüssig; sie kann nur schmaler gewählt werden. 
Um die Lichtquelle möglichst gut auszunutzen, konstruierte die Firma 
Carl Zeiß (Jena) ein besonderes Sammellinsensystem für Mikroprojektion1), 
bei dem die unvermeidlichen Lichtverluste innerhalb des Systèmes gerade bei 
den stärksten Vergrößerungen auf weniger als die Hälfte des Betrages, den 
andere Sammellinsensysteme herbeiführen, vermindert sind. Dies bedeutet 
eine Steigerung der Lichtstärke auf nahezu das Doppelte. 
Handelt es sich um Projektion mit Hilfe von ganz schwachen Objektiven 
(etwa 20 bis 100 mm Brennweite), so wird der Abbesche Beleuchtungsapparat 
1) Zeitschrift für wissenschaftl. Mikroskopie 1902, Bd. 19, S. 417.
        

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