Bauhaus-Universität Weimar

Stereoskopische Proj ektion. 
in 
d. h. es überwiegt das rote oder das grüne Gesichtsfeld, oder abwechselnd 
eins von beiden, so daß also der Eindruck von Weiß überhaupt nicht ge¬ 
wonnen wird. Ebenso kann bei ganz oder teilweise Farbenblinden befriedigende 
Bildwirkung nicht erzielt werden. 
L. Verain hat das Verfahren durch Einschaltung von Prismen, welche 
bewirken sollen, daß die beiden Teilbilder auf dem weißen Schirm sich besser 
decken, noch umständlicher gemacht (Bulletin beige de Photographie 1907, 
S. 140). 
Die Schatten und Halbschatten des Bildes kommen bei dieser Methode, 
welche Wordsworth in Donisthorpe und Claude G ri volas Fils in Chaton1) 
auch auf kinematographische Vorführungen ausdehnte, durch den dunkeln 
Silberniederschlag der beiden Teilbilder zu stände. 
Da die Lichtverluste außerordentlich groß sind, so konnte sich dies 
Verfahren der stereoskopischen Projektion nicht einbürgern. Ein auf denselben 
Grundsätzen beruhendes, nur in der Ausführung abgeändertes Verfahren 
scheint jedoch Aussicht auf allgemeinere Verbreitung zu haben. Dasselbe 
beruht darauf, daß man die beiden Teilbilder farbig auf Gelatinefolien druckt 
und dieselben übereinander legt. Hierbei hat man den Vorteil, daß diese 
Bilder wie jedes andere Diapositiv in einem einzigen Apparat projiziert 
werden können. Das Verfahren ist von M. Petzold in Chemnitz ausgebildet. 
Petzold stellt die Diapositive nach dem Chromverfahren her, d. h. er kopiert 
unter einem Diapositiv auf Gelatineplatten, die durch doppeltchromsaures 
Ammoniak lichtempfindlich gemacht sind, 60 bis 90 Minuten2). Nach dem 
Belichten folgt stundenlanges Auswaschen in kaltem Wasser, bis nur noch 
schwache Gelbfärbung an den belichteten Stellen durch zurückgehaltenes 
Chromsalz erkennbar ist. Das Färben in nicht zu stark konzentrierten Farb¬ 
lösungen geschieht am besten nach dem Trocknen. Dabei nehmen die Bilder 
nur an den unbelichteten Stellen Farbstoff auf; es entsteht also nach dem 
Diapositiv wiederum ein Positiv. Die beiden Farbenkopieen (rot und grün), 
die möglichst hell gefärbt sein sollen, werden übereinander geklebt. Es ist 
keineswegs notwendig, übrigens auch völlig unmöglich, daß die beiden Teil¬ 
bilder sich genau decken. Je besser die beiden Farben komplementär sind, 
sich also gegenseitig auslöschen, um so besser ist die Wirkung. Zu den 
Brillen nimmt man Gläser, die mit Gelatine überzogen und mit denselben 
1) Auf das Verfahren von Claude Grivolas Fils ist in Deutschland sogar ein 
Patent erteilt (Nr. 149568): Die mit dem stereoskopischen Kinematographen erzeugten 
Halbbilder werden in abwechselnder Reihenfolge auf dasselbe Positivband kopiert. 
Vor dem Objektiv des gewöhnlichen Projektions-Kinematographen befindet sich eine 
um ihren Mittelpunkt drehbare Scheibe, in welche ein rotes und ein grünes Glas ein¬ 
gesetzt sind. Auf diese Weise wird das eine Halbbild in der einen, das zweite Halb¬ 
bild in der anderen Komplementärfarbe projiziert, und der Beobachter sieht bei Be¬ 
nutzung entsprechend gefärbter Brillen nur das dem bestimmten Auge zugeordnete 
Bild. Bei sehr schnellem Wechsel der Bilder wird dann infolge von Andauer des 
Gesichtseindruckes die körperliche Wirkung erzielt. 
2) Laterna magica 1897, Nr. 49, S. 1; 1900, Nr. 63, S. 33. Photogr. Rundschau 1897, 
Heft 3, S. 89; 1900, Heft 7, S. 145.
        

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