Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Lehrsätze aus der Physiologie des Menschen: zum Gebrauche seiner Vorlesungen. Zweiter Band
Person:
Prochaska, Georg
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39357/64/
S* 55S. 
Ö3 
Die Stummheit ift aufser wenigen Lauten ein 
gänzlicher Mangel der Tonfprache. Sie ift meiftens 
angebohren, und rühret am ö ft e ft en von der Taubheit 
her, welche die damit behafteten Menfchen aufser 
Stand fetzet, die Tonfprache nach dem Gehöre zu er¬ 
lernen ; man nennet daher auch derley Subjects die 
Taubftutnmen. Das ZungenlÖfen ift da nicht nur un¬ 
nütz, fondera es kann fehr fchädlich werden. Die 
Taubftummen find fähig, wenn ihnen die natürliche 
Anlage zum Verftande nicht ganz fehlet, nach der 
Anweifung des Petrus Pontius, joh. Paal Bonet, 
J' Wallis, Cour, Ammann, de V Epee und mehr 
anderer *) die zur Entwickelung ihres Verftandes 
nöthige Ton- und Schriftfpraehe zu erlernen, Ihre, 
erlernte Tonfprache gefchieht mit Mühe, und lautet 
unangenehm , weil fie aus Mangel des Gehörs ihr 
die erforderlichen Töne nicht zu geben willen; fie 
zu erlernen wird auch -aehr Talent erfordert, als 
bey einem hörenden Menfchen, iiebßbey auch eine 
fieifsige Hebung,, weil fie fonß wieder leicht ver¬ 
geben wird ; und rs bleibt daher diefsa durch den 
Unterricht entflammten Menfchen die ihnen bereits 
geläufige Geberdenfpracbe immer unentbehrlich. 
*) Samuel Jteinickes Beobachtungen über Stumme und 
über die ment'chliche Sprache. Hamburg 1778«
        

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