Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Descendenz-Theorie. II. Über die letzten Ursachen der Transmutationen
Person:
Weismann, August
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39350/350/
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Ueber die mechanische Auffassung der Natur. 
Physiologie mit sich geführt haben. Wir wissen heute, dass die 
Bilder, welche uns unsere Sinne von der Aussenwelt liefern, nicht 
»wirkliche Abbilder von irgend einem Grade der Aehnlichkeit« 
sind*), sondern nur Zeichen für gewisse Qualitäten der Aussen¬ 
welt, welche als solche in dieser nicht existiren, vielmehr lediglich 
unserem Bewusstsein angehören. Wir wissen also sicher, dass die 
Welt nicht so ist, wie wir sie wahrnehmen, dass wir das »Ding an 
sich« nicht erkennen können, dass das Reale stets für uns trans- 
scendent bleiben wird. Wer wollte aber bestreiten, dass in dieser 
Erkenntniss ein bedeutender Fortschritt enthalten ist, trotzdem die¬ 
selbe zum grossen Th eil negativer Natur ist? Wie wir aber hinter 
der Erscheinungswelt unserer Sinne eine wirkliche Welt annehmen 
müssen, von deren wahrem Wesen wir nur unvollkommene (näm¬ 
lich nur in Bezug auf Zeit und Raum der Realität entsprechende) 
Kenntniss erhalten. so müssen wir hinter den zweckmässig oder 
» zielstrebig « zusammenwirkenden Kräften der Natur eine ihrem 
Wesen nach nicht weiter erkennbare Ursache erschliessen, von der 
wir eben nur das Eine mit Bestimmtheit aussagen können, dass sie 
eine teleologische sein muss. Wie die erste Erkenntniss uns erst 
den wahren Werth unserer Sinneseindrücke erkennen lässt, so lässt 
die zweite uns erst die wahre Bedeutung des Welt-Mechanismus 
ahnen. 
In beiden Fällen erfahren wir freilich nicht viel mehr, als dass 
hier noch Etwas vorhanden ist, was wir nicht erkennen, aber in 
beiden Fällen ist diese negative Erkenntniss von grösstem Werthe. 
Das Bewusstsein, dass hinter dem für uns allein begreiflichen Me¬ 
chanismus der Welt noch eine unbegreifliche, teleologische Welt- 
ursache liegt, bedingt eine ganz andere, der materialistischen 
gradezu entgegengesetzte Weltanschauung. Sehr richtig und 
schön sagt B a e r : » Einen Zweck können wir uns nicht anders den¬ 
ken, als von einem Wollen und Bewusstsein ausgehend. In einem 
solchen wird denn auch wohl das Zielstrebige seine tiefste Wurzel 
haben, w7enn es uns als eben so vernünftig wie nothwendig er¬ 
scheint.« Denken wir uns eine diese Welt wollende, göttliche 
Allmacht als letzten Grund der Materie und der ihr anhaftenden 
*) Vergleiche : Helmholtz, Populäre Wissenschaft!. Vorträge. Heft 2. 
Braunschweig)! 872.
        

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