Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Descendenz-Theorie. II. Über die letzten Ursachen der Transmutationen
Person:
Weismann, August
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39350/347/
Ueber die mechanische Auffassung der Natur. 
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Aber nicht nur die sprungweise, sondern überhaupt eine jede 
Umwandlung ist zu verwerfen, welche auf dem Eingreifen eines 
metaphysischen Entwicklungsprineips basirt. Wem die bisher vor¬ 
gebrachten Indicien gegen ein solches nicht genügen, der stelle sich 
doch einmal die Frage, wie und wo eigentlich ein solches Princip 
eingreifen soll? Ich meine eine Wirkung könne stets auch nur 
einen zureichenden Grund haben; genügt dieser eine, um sie her¬ 
vorzurufen, so bedarf es keines zweiten mehr. Der Zeiger der Uhr 
dreht sich mit Noth Wendigkeit in bestimmter Zeit einmal im Kreise 
herum, sobald die Feder, welche den Mechanismus in Bewegung 
setzt, aufgezogen ist; bei einer nicht aufgezogenen Uhr könnte 
vielleicht eine geschickte menschliche Hand dem Zeiger dieselbe 
Bewegung ertheilen, dass aber die Uhr zugleich von der Feder 
und von einer Hand dieselbe Bewegung erhalten könne, die sie 
durch eine dieser beiden Kräfte allein schon erhalten würde, ist 
unmöglich, weil der Zeiger seine Bewegung nur einer Ursache 
verdanken kann. So scheint mir können auch die Variationsketten, 
welche die Transmutationen ausmachen, nicht zugleich von phy¬ 
sischen und von metaphysischen Ursachen bestimmt werden, son¬ 
dern entweder von diesen, oder von jenen. 
Von keiner Seite wird es bestritten, dass wenigstens ein Theil 
der Vorgänge organischen Lebens auf dem mechanischen Zusam¬ 
menwirken physischer Kräfte beruht. Wie soll es nun denkbar 
sein, dass in dem Gang dieser causalen Kräfte plötzlich Pausen 
eintreten und eine zweckthätige Kraft dafür eintritt, um später wie¬ 
der die physischen Kräfte aus Ruder zu lassen ? Für mich ist dies 
eben so undenkbar, wie die Vorstellung, dass der Blitz zwar die 
elektrische Entladung einer Gewitterwolke ist, deren Bildung und 
elektrische Spannung von causalen Kräften abhängt, deren Zeit 
und Ort rein durch solche Kräfte bestimmt wird, dass aber der 
Donnerer Zeus dennoch es in seiner Macht hat, nach seinem Willen 
den Blitzstrahl auf das Haupt des Schuldigen zu lenken ! 
Wenn ich nun auch die Möglichkeit oder Denkbarkeit eines 
gleichzeitigen Zusammenwirkens von teleologischen und cau¬ 
salen Kräften zur Erreichung einer Wirkung in Abrede stellen und 
die alleinige Berechtigung der rein mechanischen Auffassung der 
Naturvorgänge festhalten muss, so glaube ich doch nicht, dass wir 
deshalb darauf zu verzichten brauchen, die Existenz einer zweck- 
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