Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Descendenz-Theorie. II. Über die letzten Ursachen der Transmutationen
Person:
Weismann, August
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39350/333/
Ueber die mechanische Auffassung der Natur. 
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die ältesten Urwesen als nahezu gleichartig in ihrer physischen Be¬ 
schaffenheit angenommen werden müssen. Die Qualität der Varia¬ 
tion ist eben nicht b 1 o s das Produkt der physischen Constitution, 
sondern die Resultante aus dieser und der Qualität des abändernden 
äussern Einflusses. So ging die erste »Species« durch ungleiche 
Beeinflussung äusserer Lebensbedingungen in mehrere neue » Spe¬ 
cies« auseinander, und indem dieses geschah, veränderte sich 
zugleich die bisherige physische Natur des Organismus und be¬ 
dingte nun auch eine neue Reactionsweise auf äussere Einflüsse 
d. h. eine andere Variation s-..rieh tun g. Der Unter¬ 
schied von der primären wird allerdings noch sehr minimal zu 
denken sein, er muss aber zunehmen mit jeder neuen Transmuta¬ 
tion und muss genau paralell gehen dem mit dieser verbundenen 
Grade physischer Veränderung. So wird also Hand in Hand mit 
den Umwandlungen auch die Um Wandlungsfähigkeit oder 
die Reactionsweise des Organismus auf abändernde Einflüsse 
immer wieder aufs Neue sich ändern müssen, und wir erhalten 
schliesslich eine unendliche Menge von verschieden con- 
stituirten Lebensformen, deren Variationstendenz 
verschieden ist und zwar in dem graden Verhältnis» 
ihres physischen Abstandes, so dass also nahe verwandte 
Formen ähnlich, weit entfernte sehr verschieden auf den gleichen 
Reiz antworten. 
Die individuelle Variation entsteht, wie zu zeigen versucht 
wurde, dadurch, dass jedes Individuum fortwährend von etwas 
verschiednen und zwar immer wieder wechselnden Einflüssen ge¬ 
troffen wird. Denken wir uns aber im Gegentheil eine grössere 
Individuengruppe von den gleichen Einflüssen getroffen und zwar 
von solchen Einflüssen, welchen die übrigen Individuen der Art 
nicht ausgesetzt sind ; so wird diese Individuengruppe in nahezu 
gleicher Weise variiren müssen, da beide Factoren der Va¬ 
riation gleich oder nahezu gleich sind : der äussere Einfluss und 
die physische Constitution. Nachweisbar werden solche Lokal- 
Variationen erst dann, wenn eine Reihe von Generationen hin¬ 
durch derselbe äussere Einfluss gewirkt hat und die Variations- 
minima, welche beim einzelnen Individuum durch einmalige Ein¬ 
wirkung des Abänderungsreizes ausgelöst werden, sich durch Ver¬ 
erbung gehäuft haben. So können also Transmutationen von eini-
        

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