Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Descendenz-Theorie. II. Über die letzten Ursachen der Transmutationen
Person:
Weismann, August
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39350/325/
Ueber die mechanische Auffassung der Natur. 301 
Bild verzerrt, d. h. als Bild zerstört werde, aber je grössere 
Stücke desselben verändert werden , um so mehr werden auch in 
den andern Theilen der Bildfläche Correcturen nothwendig, damit 
die Harmonie des Glanzen erhalten bleibe. 
Noch schwerer als die bei verschiednen Thiergruppen sehr 
häufigen unmerklichen Uebergänge, welche Art mit Art verbinden, 
scheinen mir aber die in der zweiten Abhandlung dieses Heftes 
dargelegten Thatsachen ins Gewicht zu fallen, welche beweisen, 
dass die zwei Erscheinungsformen einer Species sich gänzlich un¬ 
abhängig von einander verändern können. Die Raupe ändert ab, 
wird neue Varietät, selbst Art -(dem Formwerth der Abänderung 
nach), der Schmetterling aber bleibt unverändert. Wie kann das 
geschehen, wenn noch ein anderes Gesetz, als das des physiolo¬ 
gischen Gleichgewichtes die Th eile oder Merkmale aneinander¬ 
kettet und sich zu verschieben gestattet? Müssten nicht die zwei 
Stadien ganz ebenso sich mit und durcheinander verändern, wie die 
Theile eines Körpers, da sie ja zusammen erst den 
Speciestypus ausmachen? Und dass dies nicht geschieht, ist 
das nicht eben ein Beweis, dass der ganze, allerdings dennoch 
» gesetzmässig verbundene Complex « des Arttypus nicht durch ein 
metaphysisches Princip zusammengehalten und verbunden ist, son¬ 
dern nur durch Naturgesetze? 
Wenn aber Hartmann die Beziehungen verschied- 
ner Arten zueinander ebenfalls unter den Begriff der Corre¬ 
lation fasst, also z. B. das Verhältniss der Abhängigkeit, in wel¬ 
chem Orchideenblüthen und die sie besuchenden Insekten zueinan¬ 
der stehen, so verlässt er eben den naturwissenschaftlichen Begriff, 
der mit diesem Worte verbunden werden sollte, ganz und gar und 
bringt zwei heterogene Dinge zusammen, die nichts miteinander 
gemein haben, als dass sie beide von ihm als Ausfluss des Unbe¬ 
wussten betrachtet werden. Die Consequenz, die dann weiter aus 
dieser selbstconstruirten Correlation gezogen wird, dass nämlich 
ein organisches Correlationsgesetz nur ein andrer Ausdruck für ein 
» organisches Entwicklungsgesetz « im Sinne einer metaphysischen 
Kraft sei, kann natürlich nicht anerkannt werden. 
Wir verstehen unter Correlation nichts Anderes, als die Ab¬ 
hängigkeit eines Theils des Organismus von dem andern, die gegen¬ 
seitigen Wechselbeziehungen derselben,'welche lediglich auf einem
        

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