Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Descendenz-Theorie. II. Über die letzten Ursachen der Transmutationen
Person:
Weismann, August
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39350/285/
Ueber die Umwandlung des mexikan. Axolotl in ein Amblystoma. 261 
aber in Verbindung mit andern Eigentkümlichkeiten des Seees. 
Der flachste Theil des Seees ist der östliche und nur in diesem 
Theil hält sich der Axolotl auf. Im Winter wehen nun regelmässig 
und anhaltend heftige Oststürme, welche von den Gebirgen herab¬ 
fahren und das Wasser so gewaltig vor sich her treiben, dass es 
sich im westlichen Theil des Seees staut und dort häufig Ueber- 
schwemmungen veranlasst, während von dem flachen Ostufer oft 
an 2000 Fuss völlig trocken gelegt werden*). 
Hält man nun diese beiden Eigentkümlichkeiten zusammen : 
den Salzgehalt und periodisches Trockenliegen eines Theils des 
Seebodens durch anhaltende Winde, so erhält man allerdings Le¬ 
bensbedingungen für den Axolotl, wie sie sich wohl nur an wenigen 
Arten ebenso wieder finden mögen. Freilich könnte man versucht 
sein, dieselben gerade in entgegengesetztem, meiner Theorie un¬ 
günstigem Sinne zu verwertken, denn das Zurücktreten des Wassers 
von einem grossen Theil des Seebodens sollte — so könnte man 
denken — dem Thier den Uebergang zum Landleben eher erleich¬ 
tern, ja es geradezu dazu zwingen. Man vergisst aber dabei, 
dass der entblösste Seeboden eine sterile Fläche ist, ohne 
Nahrung und ohne Schlupfwinkel, vor Allem ohne Vegetation, und 
weiter, dass durch den ziemlich bedeutenden Salzgehalt des Was¬ 
sers (spec. Gewicht 1,0215) die ganze trocken gelegte Fläche 
von Salzkruste überzogen sein muss, ein Umstand der die Ernäh¬ 
rung auf dem Lande geradezu unmöglich machen wird. Haupt¬ 
sächlich Chlornatrium und kohlensaures Natron sind in so beträcht¬ 
licher Menge im Wasser aufgelöst, dass es sich regelmässig als eine 
Kruste am Ufer des Seees niederschlägt, dort während der trock¬ 
nen Jahreszeit gesammelt wird und unter dem Namen Tequisquite 
in den Handel kommt. ( M ü h 1 e n p f o r d t **.) 
So fehlt es also nicht an Anhaltspunkten zu der Vermuthung, 
dass eigenthümliehe Verhältnisse dem Thiere seine Ernährung auf 
dem Lande schwieriger machten, als sie im Wasser ist und dies 
allein könnte genügt haben, dasselbe zur Gewohnheit reinen Was¬ 
serlebens zurückzuführen und damit auch zum Rückschlag in die 
Perennibranckiaten- oder Ichthyodenform. 
*) Mühlenpfordt, Versuch einer getreuen Schilderung der Republik 
Mejico. Hannover 1844. II. S. 252. 
**) a. a. O. S. 252.
        

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