Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Descendenz-Theorie. II. Über die letzten Ursachen der Transmutationen
Person:
Weismann, August
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39350/242/
218 Ueber den phyletisehen Parallelismus bei metamorphischen Arten. 
bestimmt nachgewiesen werden, dass die Zusammenfassung der 
Familien zu einer Gruppe höherer Ordnung, wie sie auf Seite der 
Falter vorliegt, genau in dem Umfange eingetreten ist, in welchem 
auch die Lebensbedingungen von denen andrer Falterfamilien ab¬ 
weichen. Die Gruppe der Tagfalter entspricht genau einem gleich 
grossen Kreis gleichförmiger Lebensbedingungen, während ein 
solcher gleichen Umfanges auf Seite der Raupen fehlt. 
Die zweite Art ungleicher Gruppenbildung besteht 
darin, dass zwar gleichwerthige Gruppen von beiden 
Stadien gebildet werden, dass sie aber nicht glei¬ 
chen Umfang besitzen, sondern übereinander greifen und 
sich theilweise decken. 
Vor Allem tritt dies sehr klar bei der Ordnung der Haut¬ 
flügler (Hymenoptera) hervor, bei welcher sowohl Larven 
als Imagines zwei morphologisch gut begrenzte Unterordnungen 
bilden, aber so, dass die eine Larvenform nicht nur die eine Unter¬ 
ordnung der Imagines ganz beherrscht, sondern noch über sie hin¬ 
ausgreift über einen grossen Theil der andern Imago-Unterordnung. 
Grade hier ist wieder die Abhängigkeit dieser Erscheinung von 
den Einflüssen der Aussenwelt sehr deutlich, da sich nachweisen 
lässt (durch die Embryologie der Biene), dass die eine Larven¬ 
form, die madenförmige, trotz ihrer heute so stark abweichen¬ 
den Bauverhältnisse aus der andern hervorgegangen ist und dass 
sie durch Anpassung an bestimmte, weit abweichende Lebensbe¬ 
dingungen entstanden sein muss. 
Diese Form der Incongruenz ist stets verbunden mit ungleichen 
Abständen zwischen den beiden Stadien der einen systematischen 
Gruppe, in diesem Falle der Terebrantia. Die Larven dieser Imago- 
Gruppe besitzen theils Afterraupen- (Phytospheces], theils 
Maden-Form .(Entomospheces) und weichen bedeutend stärker 
von einander ab, als die Pflanzenwespen von den Schlupfwespen. 
Die letzte Ursache der Incongruenz liegt also auch hier darin, 
dass das eine Stadium stärkere Abänderungen erfahren hat, als 
das andere, so dass hier eine tiefer gehende Spaltung der Gruppe 
entstanden ist, als dort. 
In ähnlicher Weise mögen jene analogen Incongruenzen bei 
einzelnen Familien der Lepidopteren entstanden sein, die oben 
näher dargelegt wurden, nur dass wir bei diesen für jetzt noch
        

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