Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Descendenz-Theorie. II. Über die letzten Ursachen der Transmutationen
Person:
Weismann, August
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39350/236/
212 Üeber den phyletischen Parallelismus bei metamorphisehen Arten. 
ihnen und den beiden andern Zünften weit grösser 
ist, als der zwischen diesen beiden selbst. 
Nun besitzen aber die Larven der Flöhe vollkommen den 
Bau der Schnakenlarven, hornigen Kopf mit typischen 
Mundtheilen und Fühlern und fusslosen Leib aus 13 Ringen be¬ 
stehend. Wären uns nur die Larven der Flöhe bekannt, wir 
würden sie den genuinen Dipteren einreihen und zwar der Unter¬ 
ordnung der Nemocera oder Schnaken. Züchteten wir sie zum 
ersten Mal, so würden wir erwarten, eine kleine Schnake aus der 
Puppe ausschlüpfen zu sehen. 
Während also die Imagines der langhörnigen Schnaken und 
der Flöhe eine nur sehr ferne Formverwandtschaft besitzen, zeigen 
ihre Larven eine überaus nahe. Und sollte Jemand daran zweifeln, 
dass in diesem Falle nicht die Larve der stärker abgeänderte Theil 
ist, sondern die Imago? Und hat diese, der Floh, sich nicht an 
sehr weit von allen übrigen Dipteren abweichende Lebensverhält¬ 
nisse angepasst, während seine Larve in dieser Hinsicht sich nicht 
von vielen andern Zweiflüglerlarven unterscheidet ? 
Wir haben also auch hier wieder einen Fall ungleicher, phyle- 
tischer Entwicklung vor uns, der sich in der ganz verschiednen 
Formverwandtschaft von Larven und Imagines kund gibt. 
Somit ist es hier, wie bei den Schmetterlingen bald das Lar¬ 
ven-, bald das Imago-Stadium, welches stärkere Umwandlungen 
erfahren hat, und wie dort, so wäre auch hier mit dem Einwand 
Nichts auszurichten, dass die phyletische Lebenskraft etwa in dem 
»höheren« Stadium der Imago stärker wirke und bedeutendere 
Differenzirungen hervorbringe, als in dem » niederen«, mehr »un¬ 
entwickelten « Larvenstadium. 
Wenn aber gefragt wird, ob auch hier die ungleiche phyle¬ 
tische Entwicklung auf ungleicher Anzahl von Abänderungsan- 
stössen beruht, welche die beiden Stadien in gleichem Zeitraum 
getroffen haben, so muss dies entschieden verneint werden, vielmehr 
hat dieselbe hier, wie bei den höheren systematischen Gruppen der 
Schmetterlinge ihren Grund offenbar in dem ungleichen Werthe der 
von Abänderungen vorwiegend getroffenen Theile. Auf der einen 
Seite sind dies Theile von geringerer Bedeutung für den Gesammt- 
bau, auf der andern solche von grösserer. So verhält es sich selbst 
noch in dem zuletzt angeführten Fall der Flöhe, wo zwar von
        

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