Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Descendenz-Theorie. II. Über die letzten Ursachen der Transmutationen
Person:
Weismann, August
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39350/217/
Ueber den phyletischen Parallelismus bei metamorphischen Arten. 193 
halb zusammen auch schon eine systematische Gruppe 
höheren Ranges Ibilden. 
Für kürzere Bildungszeiten, wie sie zur Bildung niederer 
Gruppen, etwa der Gattungen, erforderlich sind, wird es keine 
Incongruenzen zur Folge haben, wenn bei den Raupen nur un¬ 
typische Th eile wie Zeichnung oder Bedornung der Haut abän¬ 
dert, bei den Faltern aber typische Theile, Flügel und 
Beine. Die Abänderungen, welche in diesem Zeitraum an den 
Flügeln u. s. w. ausgeführt werden können, sind in ihrer Gesammt- 
heit doch noch viel zu gering, als dass sie einen erheblichen eorre- 
lativen Einfluss auf den übrigen Bau des Körpers ausliben könnten 
und zwei Arten, deren Raupen und Falter gleich häutig abgeändert 
haben, werden uns gleiche Abstände zwischen Raupen und zwi¬ 
schen Faltern darbieten, wenn auch auf der einen Seite blos unty¬ 
pische, d. h. für die Gesammt-Organisation unwichtige Theile, aut 
der andern typische von der Abänderung betroffen waren. Hier 
wird rein nur die Anzahl der eingetretenen Abänderungen dafür 
massgebend sein, ob Congruenz oder Incongruenz zwischen beiden 
Stadien obwaltet. 
Ganz anders aber, wenn grössere Zeiträume hindurch 
im einen Stadium nur typische, im andern nur untypische 
Theile der Abänderung unterworfen waren. Im ersteren Fall wird 
jetzt eine durchgreifende Umgestaltung des ganzen Baues eintreten 
können, da nicht nur die typischen Theile selbst, z. B. die Flügel, 
eine viel weiter gehende und in derselben Richtung sich 
fortsetzende Umgestaltung erleiden können, sondern da ihre Ab¬ 
änderung auch sekundär Umgestaltungen andrer Körpertkeile her¬ 
beiführt. 
Auf diese Weise glaube ich es erklären zu müssen, dass auch 
bei höheren Gruppen des Systems noch ungleicher Form¬ 
abstand der beiden Stadien vorkommt und wenn diese Erklä¬ 
rung richtig ist, so ist damit auch zugleich die Ursache der auf¬ 
fallenden Erscheinung aufgedeckt, dass diese Incongruenz 
von der Varietät an bis zur Gattung abnimmt, bei 
dieser selbst nur ausnahmsweise vorkommt, dann 
aber bei den Familien wieder von Neuem auftritt 
und nach den höheren Gruppen zu immer mehr zu¬ 
nimmt. Bis zur Gattung hin beruht die Incongruenz lediglich 
Weismann, Studien, II. 13
        

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