Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Descendenz-Theorie. II. Über die letzten Ursachen der Transmutationen
Person:
Weismann, August
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39350/212/
188 Ueber den phyletischen Parallelismus bei metamorphischen Arten. 
sind wir auf den Kernpunkt dieser ganzen Untersuchung gekommen : 
sind es innere, oder äussere Ursachen, welche die 
Abänderungen hervorrufen, ist es eine phyletische 
Lebenskraft oder sind es nur die äussern Lebensbe¬ 
dingungen“? 
Obgleich schon im vorigen Abschnitt eine Beantwortung dieser 
Frage gefunden wurde, so will ich mich doch auf das dort erhaltene 
Resultat nicht stützen, sondern die Frage von Neuem und auf 
andrer Grundlage zu beantworten suchen. Die Antwort wird frei¬ 
lich dieselbe sein, wie dort: eine phyletische Kraft muss 
zurückgewiesen werden, denn sie erklärt erstens 
die Erscheinungen nicht, und wir können zweitens 
die Erscheinungen ausreichend ohne ihre Annahme 
erklären. 
Die Annahme einer phyletischen Lebens kraft 
erklärt die Erscheinungen nicht. 
Die Annahme einer in den Organismen gelegenen, treibenden 
Umwandlungskraft würde zwar mit den Erscheinungen der C o n - 
gruenz ganz gut stimmen, nicht aber mit denen der In con¬ 
grue nz. Wenn ein grosser Theil dieser Letzteren darauf beruht, 
dass die Raupen öfter von Abänderungsstössen beeinflusst wurden, 
als ihre Falter, oder umgekehrt, wie soll man das mit einer solchen 
innern Kraft zusammenreimen? Müsste nicht dann ein jedes 
Stadium einer Art, wenn nicht gleichzeitig, so doch successive, 
aber jedenfalls gleich oft und gleich stark von der in ihr selbst re- 
sidirenden Kraft zum Abändern veranlasst werden und wie sollte 
auf solche Weise jemals eine stärkere Abweichung der Form bei 
den Larven, als bei den Imagines zu Stande kommen? 
Es ist Täuschung, wenn man glaubt, durch die Annahme 
periodischer Eingriffe der phyletischen Kraft solche 
ungleiche Abstände erklären zu können ! Gesetzt es verhalte sich 
so, die innere Kraft zwinge successiv zuerst den Schmetterling, 
dann die Puppe und zuletzt die Raupe zum Abändern, so würde 
also — wie dies als thatsächlich bestehend für die einzelnen Rau¬ 
penstadien oben nachgewiesen wurde — gewissermassen eine Ab¬ 
änderungswelle über die verschiednen Stadien der Art hinglei¬ 
ten. Die einzige Möglichkeit, ungleiche Abstände zwischen Larven 
und Imagines zu erklären, würde also die Annahme bieten, dass
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.