Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Descendenz-Theorie. II. Über die letzten Ursachen der Transmutationen
Person:
Weismann, August
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39350/190/
166 Ueber den phyletischen Parallelismus bei metamorphischen Arten. 
sacken die abermalige Aenderung hervorgerufen haben, das wird 
vielleicht dereinst die Vergleichung mit der Ontogenese anderer 
Saturnien lehren, einstweilen lässt sich diese Annahme noch von 
einer andern Seite her durch das Verhalten der Genueser Lokalform 
stützen. Wenn wirklich das letzte Stadium der deutschen Form 
schon wieder eine neue Umgestaltung begonnen hat, dann ist diese 
Varietät weiter vorgerückt in der phyletischen Entwicklung, als 
die Genueser, dann entspricht es ganz der Theorie, dass bei 
ihr das Vorrücken der lichten Farbe (des Orange, als 
Einleitung zur Umfärbung in Grün) schon bis in das zweite 
Stadium der Ontogenese her ab reicht, während bei 
der Genueser Varietät selbst im vierten Stadium 
nur die ersten Anfänge der Umfärbung sich zeigen. 
Die Genueser Form hält gewissermassen die Mitte zwischen 
der deutschen Form von Saturnia Carpini und der im Osten 
Deutschlands einheimischen nächstverwandten Art Sat. Spini. 
Bei dieser Letzteren sind nämlich die Raupen auch im er¬ 
wachsenen Zustand vollkommen schwarz mitgclben 
Warzenknöpfen. Diese Raupenform müsste also für die phy- 
letisch älteste gehalten werden und dies stimmt sehr gut mit dem 
Verhalten des Schmetterlings. Dieser unterscheidet sich von Sa¬ 
turnia Carpini wesentlich nur dadurch, dass er nicht 
sexuell dimorph ist. Bei Carpini besitzt das Männchen 
eine weit lebhaftere Färbung als das Weibchen, letzteres aber 
gleicht so vollständig dem Weibchen von Spini, dass es — be¬ 
sonders in den etwas grösseren südeuropäischen Exemplaren — 
durchaus nicht von ihm zu unterscheiden ist. Da nun die einfachere 
Färbung des Weibchens jedenfalls als die ursprüngliche angesehen 
werden muss, so müssen wir auch Spini, bei weicher beide Ge¬ 
schlechter diese Färbung besitzen, für die phyletisch ältere Form 
halten, Carpini aber, bei der die Männchen eine andere Farbe 
angenommen haben, für die jüngere. D i e s stimmt genau mit 
dem Verhalten der Raupen. 
Es sei hier noch erwähnt, dass ich mir auch die Frage vorge¬ 
legt habe, ob die Variationen der verschiedenen Raupenstadien in 
ursächlichem Zusammenhang miteinander stehen, so also dass 
etwa die hellsten Individuen des fünften Stadiums auch die hellsten 
des vierten und dritten gewesen sind.
        

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