Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Descendenz-Theorie. II. Über die letzten Ursachen der Transmutationen
Person:
Weismann, August
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39350/166/
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Einleitung. 
des Schmetterlings müsste auch von einer Abänderung der Raupe 
begleitet oder gefolgt worden sein und die systematischen Gruppen 
der Schmetterlinge müssten sich in einer Systematik der Raupen 
genau in der gleichen Weise wieder vorfinden. Wenn die Arten 
vermöge einer ihnen innewohnenden Kraft periodisch abänderten 
und zu einer neuen Art sich umgestalteten, so könnte diese Umprä¬ 
gung unmöglich nur ein einzelnes Entwicklungsstadium — etwa 
nur die Raupe — treffen, sie würde vielmehr gleichzeitig oder suc¬ 
cessive sich auf alle Stadien — Raupe, Puppe und Schmetterling — 
erstrecken müssen, ein jedes Stadium würde eine neue Gestalt be¬ 
kommen, ja es dürfte sogar erwartet werden, dass jedes Stadium 
gleich stark abändere; wenigstens liesse sich nicht absehen, 
warum eine rein innere Kraft der Entwicklung das eine Stadium 
stärker beeinflussen sollte, als das andere. Raupe und Schmetter¬ 
ling zweier Arten müssten gleich weit von einander abstehen und 
ebenso Raupen und Schmetterlinge zweier Gattungen, zweier Fa¬ 
milien u. s. w., kurz ein System der Raupen müsste sich mit dem 
System, welches lediglich auf die Schmetterlinge gegründet wäre, 
vollständig decken, oder was dasselbe ist, die Formverwandt- 
sehaften der Raupen müssten den Formverwandt- 
schaften der Schmetterlinge genau entsprechen. 
Ganz anders dagegen müsste sich die Sache gestalten, wenn 
eine innere Triebkraft phyletiscker Umprägung nicht bestünde 
und die Umwandlung der Arten lediglich auf Einwirkungen der 
Aussenwelt beruhte. In diesem Falle müssten Ungleichheiten in 
der phyletisclien Entwicklung der verschiednen Lebensstadien er¬ 
wartet werden, denn bei den zeitlich und räumlich oft stark ab¬ 
weichenden Lebensbedingungen beider Stadien könnte und müsste 
häufig das eine Stadium von Einflüssen getroffen werden, welche 
das andere unberührt lassen, das eine könnte somit eine Umprä¬ 
gung erleiden, während das andere unverändert bliebe. Dadurch 
entstünde ein ungleicher Abstand zwischen den beiden Stadien 
zweier Arten, es würden also z. B. die Schmetterlinge, falls diese 
der abgeänderte Theil sind, in weiterer Formverwandtschaft stehen, 
als die Raupen, und der Abstand zwischen ihnen müsste immer 
grösser werden, als der zwischen den Raupen, wenn mehrmals 
hintereinander die Schmetterlinge von abändernden Einflüssen ge¬ 
troffen würden, während die Raupen unter denselben Einflüssen
        

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