Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Descendenz-Theorie. II. Über die letzten Ursachen der Transmutationen
Person:
Weismann, August
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39350/160/
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Ontogenese und Morphologie der Sphingiden-Zeichnung. 
halten, alle Zeichnungsformen und -Combinationen auf die Ur¬ 
sachen zurückzuführen, welche Umwandlungen bekanntermassen 
heryorrufen können, ich hatte erwartet, es werde ein unerklärbarer 
Rest übrig bleiben. 
Dies ist nicht so. Wenn auch augenblicklich noch nicht in 
jedem einzelnen Falle mit Bestimmtheit gesagt werden kann, in¬ 
wieweit ein jedes einzelne Zeichnungselement grade bei dieser 
einen Art biologische Bedeutung besitzt, so hat doch festgestellt 
werden können, dass jedes der bei Sphingiden-Raupen 
vor komm enden Zeichnungs-Elemente ursprünglich 
eine bestimmte biologische Bedeutung hatte, dass 
es durch Naturzüchtung hervorgerufen worden ist. 
Für alle drei Hauptelemente der Sphingidenzeichnung konnte 
ferner nachgewiesen werden, dass nicht nur ihre Anfangsstufe, son¬ 
dern auch ihre definitive Ausbildung, die höchste Stufe 
ihrer Entwicklung ihrem Träger einen ganz bestimmten Vor¬ 
theil bringt, dass auch sie einen bestimmten, biologischen Werth 
hat, dass somit auch, die allmälige Entwicklung und 
Steigerung des Charakters auf Naturzüchtung zu- 
rückzuführen ist. 
Wenn aber auch Naturzüchtung derjenige Faktor ist, der die 
drei Hauptcharaktere und einige der Nebencharaktere der Zeich¬ 
nung ins Leben rief und zur vollen Ausbildung führte, so liess sich 
doch in der Wiederholung eines lokal entstandenen Charakters 
auf den übrigen Segmenten, sowie in der Bildung neuer Elemente 
an den Kreuzungsstellen rudimentär gewordener älterer ein zweiter 
Faktor erkennen, der lediglich im Innern des Organismus liegen 
muss, jene im Innern des Körpers waltende G-esetzmässigkeit, durch 
welche kein Theil verändert werden kann, ohne eine gewisse Wir¬ 
kung auf die andern Theile auszuüben : das innere Bildungsgesetz 
(Correlation D a r w i n’s) oder Wachsthumgesetz. 
Nur an einer einzigen Stelle der ganzen Untersuchungsreihe 
konnte man einen Augenblick schwanken, ob hier nicht doch die 
Aeusserung einer phyletischen Lebenskraft zu Tage trete : bei den 
rothen Flecken, welche die Schrägstreifen mehrerer Smerinthus- 
Raupen begleiten. Genauere Analyse liess aber grade bei ihnen 
die tiefe Kluft, welche zwischen »analoger Variation« und jener
        

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