Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Descendenz-Theorie. II. Über die letzten Ursachen der Transmutationen
Person:
Weismann, August
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39350/106/
82 
Ontogenese und Morphologie der Sphingiden-Zeichnung. 
fallen. So war es denn von Nutzen für sie, sich bei Tage zurück¬ 
zuziehen und nur bei Nacht zu fressen und sie thaten dies und thun 
dies noch, auch wenn die sekundäre Anpassung an die 
Farbe des Bodens etc. noch nicht eingetreten ist. 
Dies lehrt uns die stets grün gefärbte D, Iiippophaes und nicht 
minder die grüne Founder erwachsenen Raupen von Sphinx 
Convolvuli, Deil. Elpenor und Porcellus, denn alle diese 
verstecken sich bei Tage ebenso gut als ihre braungefärbten Art¬ 
genossen. 
Man könnte mir einwerfen, dass es — wie ich selbst schon 
solche angeführt habe — Sphingiden-Raupen gibt, welche auf nied¬ 
rigen kleinblättrigen Pflanzen leben und dennoch bei Tage sich nicht 
verbergen. Eine solche ist z. B. Deil. Euphorbiae, die in 
vielen Th eilen Deutschlands so gemeine Wolfsmilchraupe. Diese 
Raupe muss aber zu denjenigen gerechnet werden, welche, sei es 
wegen schlechten Geschmackes oder aus einem andern später zu 
erörternden Grunde von Vögeln und andern grösseren Feinden ver¬ 
schmäht werden, zu jenen, von welchen Wallace gezeigt hat, 
dass es ihnen Vortheil bringt, möglichst auffallend gefärbt zu sein. 
Ich werde später bei Besprechung des biologischen Werthes der 
Zeichnung darauf zurückkommen. 
Auf der andern Seite aber lässt sich aus den Lebensverhält¬ 
nissen der auf dicht belaubten Bäumen oder Büschen lebenden Rau¬ 
pen sehr wohl verstehen, dass sie die Gewohnheit bei Tage zu ruhen 
und vom Baume herabzusteigen, um sich zu verbergen nicht ange¬ 
nommen haben. Sie sind durch ihre grüne Färbung zwi¬ 
schen grossen und zahlreieben Blättern hinreichend 
geschützt und ich werde später zu zeigen haben, dass die Zeich¬ 
nung, welche sie an sich tragen, diesen Schutz noch vermehrt. 
So beruht denn der Di- oder Polymorphismus 
der Sphingiden-Raupen nicht auf einer gleichzei¬ 
tigen doppelten Anpassung, sondern auf der Ver¬ 
drängung einer alten Farben-Anpassung durch eine 
neue und bessere, somit auf einer successiven dop¬ 
pelten Anpassung. Die erwachsenen Raupen von D. Elpenor 
sind nicht deshalb theils braun, theils grün, weil sich ein Theil von 
ihnen den Blättern, ein anderer Theil dem Boden angepasst hat, 
sondern deshalb, weil die altererbte grüne Färbung noch
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.