Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Descendenz-Theorie. I. Ueber den Saison-Dimorphismus der Schmetterlinge
Person:
Weismann, August
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39349/77/
selben, als letzten Erklärungsgrundes der Farben, entbehren 
können, insofern wir sehen, dass bedeutende Farbenwechsel 
auch ohne jeden Einfluss sexueller Züchtung eintreteh können. 
Es fragt sich nun, wie weit der um wandelnde Ein¬ 
fluss des Klima's reicht? Wenn eine Art durch Klima¬ 
wechsel abgeändert hat und zwar in solchem Betrag, dass 
ihre neue Form, den systematischen Werth einer neuen Spe¬ 
cies besitzt, kann sie dann durch Versetzung in die alten 
klimatischen Verhältnisse wieder in die alte Form zurück¬ 
kehren? oder wird sie dann zwar abändern, aber wiederum 
in neuer Weise? 
Die Frage ist nicht ohne Bedeutung, insofern im ersteren 
Falle klimatische Einflüsse von geringem Werth für Artbil¬ 
dung sein müssten. Es würde sich dann meistens nur ein 
Schwanken zwischen zwei Extremen ergeben. Wie heute bei 
den saisondimorphen Arten Sommer-und Winterform in jedem 
Jahre miteinander abwechseln, so würde dann in den grossen 
Abschnitten der Erdgeschichte Wärmeform mit Kälteform ab¬ 
wechseln. Bei andern Thiergruppen wirken sicherlich auch 
noch andre klimatische Einflüsse verändernd ein, bei den 
Schmetterlingen aber, wie ich gezeigt zu haben glaube, vor 
Allem die Temperatur. Diese aber kann nur zwischen ziem¬ 
lich enge gesteckten Grenzen hin und her schwanken und 
lässt keine verschiedenartigeren Nüancirungen zu. 
Es fragt sich also, ob auch die Schmetterlingsarten nur 
zwischen zwei Formen hin und her schwanken, oder ob viel¬ 
mehr bei jedem neuen Klimawechsel (insofern er überhaupt 
stark genug ist, um Abänderung hervorzurufen) auch wieder 
eine neue Form entsteht. 
So sehr auch die Rückschlag versuche an saisondimorphen 
Schmetterlingen das Gegentheil zu erweisen scheinen, so 
glaube ich doch, das Letztere annehmen zu müssen. Ich 
glaube, dass durch Klimawechsel niemals wieder die alten 
Formen entstehen, sondern immer wieder neue, dass somit 
allein eine periodisch sich wiederholende Veränderung des 
Klima’s genügt, um im Laufe langer Zeiträume immer neue
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.