Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Descendenz-Theorie. I. Ueber den Saison-Dimorphismus der Schmetterlinge
Person:
Weismann, August
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39349/34/
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Es wurde gezeigt, dass die secundären Formen saison-di¬ 
morpher Schmetterlinge nicht alle in gleichem Grade die 
Neigung zum Rückschlag besitzen, dass vielmehr diese 
individuell verschieden ist. Da die Rückkehr zur 
primären Form gleichbedeutend ist mit dem Aufgeben der 
secundären, die grössere Neigung zum Rückschlag also gleich¬ 
bedeutend mit grösserer Neigung zum Aufgeben der secun¬ 
dären Form, dies aber wieder einer geringeren Festsetzung 
dieser letzteren gleichkommt, so muss daraus geschlossen 
werden, dass die Individuen der Art verschieden 
stark von dem Klimawechsel beeinflusst wer¬ 
den, so dass die neue Gestalt sich bei den einen früher 
befestigt, als bei den andern. Daraus muss nun noth- 
wendig ein Variabel werden der betreffenden 
Generation hervor gehen, d. h. die einzelnen Indivi¬ 
duen der Sommergenerationen müssen stärker in Zeichnung 
und Färbung differiren, als dies bei der Wintergeneration 
der Fall ist. Wenn die Theorie richtig ist, müssen die 
Sommergenerationen variabler sein, als die 
Wintergenerationen, wenigstens so lange, als nicht 
auch bei ihnen durch fortgesetzte Einwirkung der Wärme, 
verbunden mit steter Kreuzung der in verschiedenem Grade 
abgeänderten Individuen, eine Ausgleichung der individuellen 
Abweichungen im höchstmöglichen Grade zu Stande gekom¬ 
men ist. 
Auch hier wird die Theorie durch die Thatsachen voll¬ 
kommen bestätigt. Bei Vanessa Levana ist ganz entschieden 
die Levanaform sehr viel constanter, als die Prorsaform. 
Erstere ist in geringem Grade sexuell-dimorph, die Weibchen 
sind heller, die Männchen dunkler gefärbt. Berücksichtigt 
man diese Verschiedenheit der Geschlechter, die in noch ge¬ 
ringerem Grade auch bei der Prorsaform vorkommt, so wird 
man die obige Angabe richtig finden, dass die Levanaform 
nur wenig variirt, jedenfalls ungleich weniger, als die 
Prorsa, bei welcher die grössten Verschiedenheiten in dem 
Auftreten gelber Streifen, in dem Schwinden des schwarzen
        

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