Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Descendenz-Theorie. I. Ueber den Saison-Dimorphismus der Schmetterlinge
Person:
Weismann, August
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39349/20/
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men mit dieser Theorie stimmen, ob dieselben nirgends in 
Widerspruch mit ihr stehen, und ob sich alle aus ihr er¬ 
klären lassen. 
Ich will es gleich im Voraus aussprechen, dass dies im 
vollsten Masse der Fall ist. 
Zuerst erklärt die Theorie sehr einfach, warum zwar wohl 
die Sommergenerationen sich künstlich umwandeln lassen, 
nicht aber die Wintergeneration; letztere kann unmöglich 
einen Rückschlag zur Prorsaform machen, da diese weit jün¬ 
ger ist, als sie selbst. 
Wenn aber dennoch unter hundert Fällen einer vorkommt, 
wo eine Puppe der Wintergeneration durch Wärme getrieben, 
ihre Entwicklung noch vor Eintritt , des Winters vollendet 
und in der Sommerform ausschlüpft (*), so ist dies nichts 
weniger als unerklärlich. Atavismus kann es nicht sein, was 
hier die Entwicklungsrichtung bedingt, wohl aber sehen wir 
daraus, dass die Umwandlung der beiden ersten Generationen 
doch auch bereits eine gewisse Umstimmung in der dritten 
hervorgerufen haben, die sich eben darin äussert, dass unter 
günstigen Umständen (Einwirkung von Wärme) einzelne In¬ 
dividuen die Prorsaform annehmen, oder wie man sich auch 
ausdrücken könnte, dass die al ternir ende Vererbung, von 
welcher weiter unten eingehend die Rede sein wird und 
welche es mit " sich bringt, dass die Fähigkeit, Prorsaform 
anzunehmen, bei der Wintergeneration in der Regel latent 
bleibt, dann bei einzelnen Individuen zu einer c ont in ui r- 
lichen wird. 
Es ist wahr, wir haben noch keinerlei Einsicht in das 
Wesen der Vererbungsvorgänge; und damit ist zugleich die 
Mangelhaftigkeit dieser Erklärung bezeichnet aber wir kennen 
doch viele ihrer äusseren Erscheinungsformen, wir wissen 
bestimmt dass eine dieser Formen darin besteht, dass Eigen- 
thümlichkeiten des Vaters nicht wieder beim Sohne, sondern 
erst beim Enkel oder noch später wieder auftreten, dass sie 
(i) Siehe unten Versuch N.° 10.
        

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