Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber Maßbestimmungen freier Intonation
Person:
Kreichgauer, Alfons
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39348/9/
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Der Oszillograph im Raum B gestattet Papiergeschwindig¬ 
keiten bis zu 1 m pro Sekunde, wobei die Länge einer Aufnahme bis 
zu etwa 15 m betragen darf. Da es mit Rücksicht auf die Eigenart 
der Versuche wichtiger erschien, möglichst viele Töne bzw. Inter¬ 
vallfolgen in einem Zuge aufzunehmen, als nur wenige zeitlich 
auseinandergezogen, wurde die Höchstgeschwindigkeit nicht aus¬ 
genutzt, sondern in der Regel mit etwa 40 bis 50 cm Papier¬ 
geschwindigkeit gearbeitet. 
Da es auf kiangtreue Wiedergabe bei den Intonationsversuchen 
nicht ankam, wurde auf eine Prüfung der Versuchseinrichtung auf 
Kiangtreue, die übrigens in Anbetracht des verwendeten Mikro¬ 
phons und Verstärkers weitgehend erreicht sein dürfte, zunächst 
verzichtet. Sie müßte nachgeholt werden, falls, wie ich dies beab¬ 
sichtige, die Oszillogramme späterhin auch zur Klärung gewisser 
Klangfarbenfragen herangezogen werden sollen. Dabei wird es 
von Vorteil sein, daß die Registrierungen nicht nur Klangaus- 
schnitte von wenigen Perioden zeigen, wie die bisherigen 
Veröffentlichungen. Handelt es sich doch um die vermutlich ersten 
registrierenden Aufnahmen ganzer, wenn auch kurzer Melodien. 
Daß eine wirklich einwandfreie Prüfung der Aufnahmeapparatur 
auf Klangtreue nur bei sinusförmiger Erregung unter Berücksichti¬ 
gung der akustischen Eigentümlichkeiten des Aufnahmeraumes 
möglich ist, scheint mir dabei selbstverständlich; auch daß man 
sich nicht auf Töne bekannter Frequenz und Amplitude beschränken 
darf, sondern mit Rücksicht auf etwa durch die Aufnahmeapparatur 
verschuldete Kombinationstöne die Versuche auf Zweiklänge aus¬ 
dehnen muß. 
Bei einer umfassenden Untersuchung der Intonationsfrage 
einer gegebenen unbegleiteten Melodie dürfen auch Dynamik, 
Tempo, Phrasierung und Agogik nicht außer acht 
bleiben. Indessen lassen sich diese Faktoren nicht beliebig von¬ 
einander trennen, auch nicht für sich allein beliebig verändern, 
ohne daß dem Musikalischen Gewalt angetan wird. Nur auf Grund 
eines riesigen Melodienmaterials ikönnte man hoffen, hier Gesetz¬ 
mäßigkeiten zu finden. Ueber etwaige, aus den erwähnten anderen 
Faktoren resultierende Intonitionseigentümlichkeiten kann ich daher 
nur Vermutungen bringen: Die Phrasierung z. B. mag in der 
Richtung wirken, daß die Aufmerksamkeitsverteilung zwischen
        

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