Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber Maßbestimmungen freier Intonation
Person:
Kreichgauer, Alfons
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39348/32/
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Diese Verlagerung des subjektiven Reinheitspunktes auf die Plus- 
Seite bei aufsteigender großer Terz wurde auch durch folgende 
Versuche bestätigt: 
Die sonst als Spieler benutzte Versuchsperson bekam Ver¬ 
größerungen und Verkleinerungen der reinen großen Terz in ab¬ 
wechselnder Folge vorgespielt. Sie erkannte eine starke Ver¬ 
größerung nicht so sicher als solche wie eine erheblich geringere 
Verkleinerung des Intervalls; auch Professor Becker verhielt 
sich in der Beurteilung der dargebotenen Intervalle ähnlich. 
Daß die von Stumpf erwähnte Umstimmung des „akusti¬ 
schen Geschmacks“, die Erklärung der Abweichungen durch Nach¬ 
wirkungen der musikalischen Erfahrungen, bei der Intervall- 
Intonierung innerhalb einer Melodie eine Rolle spielt, erscheint 
möglich, jedoch sind die Beziehungen so vielseitig, und die sub¬ 
jektiven Einstellungen wechseln so plötzlich, daß diese Frage allein 
einer eingehenden tonpsychologischen Untersuchung bedarf. 
Die Neigung zur Vergrößerung des Intervalles tritt auch bei der 
absteigenden großen Terz eindeutig hervor. So zeigen die 
Tabellen 3, 4, 5, 6 und 7 eine Abweichung des Schrittes e^c1 und 
e-c über das physikalisch reine Intervall 4 : 5 hinaus nach unten hin. 
Intervall 
Tabelle 
Abweichunge 
Cents 
n in 
Schw.z. 
e-c 
6 
— 26 
— 2 
5 
— 35,2 
— 2,7 
4 
— 17,4 
— 1,4 
3 
— 21 
— 1,6 
c1-c1 
7 
— 36 
— 5,5 
Nur einmal, und zwar bei Versuch Tab. 8, ergab sich für den 
Schritt e1-c1, also wieder in dem für das Violoncello kritischen Ge¬ 
biet, ein (zwar nur wenig) abweichendes Verhalten des Spielers: 
der Intervallschritt wurde hier ziemlich genau ausgeführt: 
Abweichungen in 
Intervall Cents Schw.z. 
-f- 1,2 -f- 0,2 
e^c1
        

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