Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Elektron: 104 Schüler-Experimente aus dem Gebiete der Elektrizität
Person:
Schulze, Richard
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39333/6/
Wenn wir nun unsere Muskelkraft als elektrisch ansehen und beispielsweise 
die des rechten Armes als positive, die des linken Armes als negative Elek¬ 
trizität, so sind beide Elektrizitäten gebunden, sobald wir unsere Hände in 
einander legen, und wir erscheinen unelektrisch. Ganz ähnlich ist es auf dem 
Gebiete der Elektrizität. In den sogenannten unelektrischen Körpern sind die 
beiden Elektrizitäten gebunden, und das Elektrischmachen ist weiter nichts 
als ein Trennen der beiden Elektrizitäten und ein Wegführen der einen, so 
daß dadurch die andere frei wird und sich nunmehr äußern kann. Daß dies 
in der Tat so ist, soll uns der Elektrophor zeigen. — Einfügen wollen wir 
hier, daß es Leiter und Nichtleiter der Elektrizität gibt. Leiter sind alle 
Metalle, feuchte Luft, unser Körper. Nichtleiter sind alle diejenigen Körper, 
welche durch Reiben elektrisch werden. Man nennt .sie auch Isolatoren. 
Eigentlich müßte man von guten und schlechten Elektrizitätsleitern sprechen, 
aber letztere leiten die Elektrizität so schlecht, daß sie praktisch als Nichtleiter 
bezeichnet werden können. 
Der ELEKTOPHOR,*) 
das heißt Elektrizitätsträger, weil er seine freie Elektrizität oft wochen- ja 
monatelang behält, besteht aus dem sogenannten Kuchen und dem Deckel. 
Offenbar hat man für den einen Teil deshalb das Wort Kuchen gewählt, weil 
man diesen ursprünglich aus einer Mischung von Kolophonium und Schellack 
herstellte, die im geschmolzenen Zustande eine teigartige Masse bildete. Jetzt 
nimmt man Hartgummi hierzu. Der Deckel besteht nach wie vor aus Zink 
mit einem Glas- oder Hartgummistab als Handgriff. Mit diesem Elektrophor 
stellen wir nun den 
1. Versuch an. Wir legen die Hartgummischeibe, den Kuchen, auf den 
Tisch und reiben sie am besten mit einem womöglich angewärmten Katzen¬ 
fell. — Ich warne dringend davor, die Scheibe während des Reibens frei 
in der Hand zu halten, weil sie dann leicht zerbrechen kann. — Nähern 
wir nun die Scheibe mit der geriebenen Seite einer auf dem Tisch liegenden 
Kugel aus Holundermark, so springt diese schließlich an die Scheibe heran 
nach dem Gesetz: 
Elektrische Körper ziehen unelektrische an. 
Wir haben also zunächst nachgewiesen, daß die Gummischeibe durch 
Reiben elektrisch geworden ist, indem die anfangs gebundenen Elektrizitäten 
getrennt worden sind, und die positive durch unsern Körper zur Erde geleitet 
wurde, und gehen nun über zum 
2. Versuch. Die positive Elektrizität bezeichnen wir mit +, die negative 
mit —, und die geriebene Platte sieht demnach so aus, wie es Fig. 1 zeigt, 
d. h. an ihrer Oberfläche befindet sich negative 
Elektrizität. Diese negative Elektrizität ist nun S§Ë3352âEKSHB§iH 
imstande, in jedem Leiter der Elektrizität, der s' 
sich in einer gewissen, aber möglichst geringen Entfernung von ihr befindet, 
eine Trennung der beiden Elektrizitäten zu bewirken, und zwar die ungleich¬ 
namige anzuziehen und die gleichnamige abzustoßen nach dem Gesetz: 
*) Beachte auch Seite 46. 
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