Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Anleitung zum Gebrauch des Kosmos-Baukasten Optik: 280 Versuche aus der Lehre vom Licht
Person:
Fröhlich, Wilhelm
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39331/18/
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lieh vorhin schon beobachteten leicht gefärbt 
erscheinenden Ränder des Bildes infolge der 
gesteigerten farbigen Abweichung nicht mehr 
scharf eingestellt werden könnten. Nur die 
Verwendung zusammengesetzter Mikroskopob¬ 
jektive (Abb. 31), die aus 6—8 Linsen ver¬ 
schiedener Glasarten gebildet werden, geben 
farbenfreie Linien und ermöglichen stärkere 
Vergrößerung mit gleichzeitiger Vermehrung 
der sichtbaren Einzelheiten. Die zusammen¬ 
gesetzten Objektive machen die Mikroskope so 
teuer. Die Okulare dagegen sind meist nur aus 
zwei Linsen zusammengesetzt wie das unsrige. 
103. Dankbare Beobachtungsobjekte für un¬ 
ser Mikroskop sind die Fasern der verschie¬ 
denen Gewebearten, wie Wolle, Baumwolle, 
Haare, ferner die Mehl- und Stärkesorten, 
Kleinlebewesen aus faulem Wasser, Schuppen 
von Schmetterlingsflügeln, Füße, Flügel und 
Fühler von Insekten, ganze Kleininsekten z. B. 
Flöhe, Läuse usw., zum Teil auch durch¬ 
scheinend dünn geschnittene Pflanzenteile. 
Fernrohre. 
Die wunderbare Welt des sonst unsichtbar 
Kleinen ist durch das Miskroskop erschlossen 
worden. Anderseits ist die Welt des unfaßbar 
Großen und Fernen durch ähnliche optische 
Instrumente näher gerückt und beobachtbar 
geworden. Hiezu dienen die Fe r n r o h re mit 
Linsensystemen oder die Teleskope mit 
Hohlspiegeln. 
104. Ein entfernter Gegenstand erscheint 
uns so klein, daß wir ihn nicht mehr genau zu 
erkennen vermögen. Wir möchten sein Bild 
vergrößern, um ihn mit mehr Einzelheiten zu 
sehen. Vergrößerte Bilder ergeben sich mittels 
Linsen nur nach dem dritten und fünften Lin¬ 
sengesetz (V. 64, 66). Das erstere setzt aber 
voraus, daß der zu vergrößernde Gegenstand 
zwischen einfacher und doppelter Linsenbrenn¬ 
weite stehe, beim fünften Gesetz muß er sich 
sogar innerhalb der einfachen Brennweite be¬ 
finden. Beides ist nicht möglich, denn die 
Brennweiten der Linsen messen nach wenigen 
Zentimetern, die Entfernung des zu betrach¬ 
tenden fernen Gegenstandes beträgt 100 m 
und mehr. Weil also der betrachtete Gegen¬ 
stand nicht in unserm Handbereich ist, helfen 
wir uns gemäß folgender Ueberlegung: 
Wir photographieren den fernen Gegenstand 
und haben dann sein Bild, mit dem wir machen 
können was uns beliebt. Das Bild entsteht 
nach dem ersten Bildgesetz (V. 62) und ist 
also verkleinert. Niemand kann uns aber hin¬ 
dern, dieses verkleinerte Bild nun mit der Lupe 
zu betrachten und somit zu vergrößern. Wenn 
die Lupe nun stärker vergrößert, als das Bild 
durch die Aufnahme verkleinert wurde, so 
sehen wir den Gegenstand offenbar größer 
als bei unmittelbarer Betrachtung aus der 
Ferne. Es ist nicht einmal nötig, zu photo¬ 
graphieren. Es genügt, das Bild des fernen 
Gegenstandes auf der Mattscheibe zu haben 
und dieses Mattscheibenbild mit der auf Brenn¬ 
weite genäherten Lupe zu betrachten. Wir 
brauchen also ein möglichst wenig verkleiner¬ 
tes Mattscheibenbild und eine möglichst stark 
vergrößernde Lupe. 
Astronomisches Fernrohr. 
105. Aus früheren Versuchen (V. 69) wissen 
wir, daß die kurzbrennweitigen Linsen (M) 
die besten Lupen sind und haben nur noch 
festzustellen, ob die flache Linse O (33 cm 
Brennweite) oder eine Linse L (81/4 cm Brenn¬ 
weite) auf der Mattscheibe das größere Bild 
entwerfen. Hiezu stellt man die Mattscheibe 
5 cm vom hintern Rand des langen Kastens 
auf, verschiebt davor die Linse L, bis ein 
deutliches Bild z. B. eines nicht zu fernen 
Turmes entsteht, und schätzt, wieviel mm 
hoch das Bild des Turmes wird. Nachher setzt 
man statt L die flache Linse O nahe dem an¬ 
dern Ende ein, verdunkelt den mittleren Teil 
des Rohres mit dem langen Deckel und schätzt 
wiederum die Höhe des Turmes auf der Matt¬ 
scheibe. 
106. Das Ergebnis ist so, daß wir das Bild 
von der langbrennweitigen Linse O auf der 
Mattscheibe entwerfen lassen, um es dann 
Hbb. 32. 
durch die 3 cm hinter die Mattscheibe gesetzte 
Lupe M (samt Holzfassung) zu betrachten 
(Abb. 32). 
107. Die Lupe vergrößert auch das Korn der 
Mattscheibe; darum nehmen wir sie heraus 
und betrachten das jetzt nicht mehr sichtbare, 
in der Luft schwebende Bild wie vorhin durch 
die Lupe. Nun richten wir unser Fernrohr auf 
andere Gegenstände, nachdem wir mit den 
Deckeln verdunkelt haben. Durch kleine Ver¬ 
schiebungen der vorderen Objektivlinse O 
stellen wir das Bild jeweils deutlich ein. 
108. Wie beim Mikroskop macht die Be¬ 
obachtung an unserem Fernrohr etwas Mühe,
        

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