Bauhaus-Universität Weimar

378 Gad, Reaktionszeit für Erregung und für Hemmung. 
babe ich in Gemeinschaft mit C. Weg eie gezeigt1), dass eine reflektorische 
Hemmung inspiratorischer Erregung hieran wenigstens beteiligt ist, denn der 
reflektorische Atemstillstand in Exspiration tritt noch mit derselben Sicher¬ 
heit ein, nachdem eine Durchtrennung des Rückenmarkes im untern Halsteil 
die Exspirationsmuskeln der Einwirkung aller vom Trigeminus aus erzeugten 
Reflexerregungen entzogen hat. Die mit Sicherheit zu erwartende rythmische 
Erregung des Inspirations - Zentrums bleibt also infolge von Erregungen, die 
auf der Bahn des Trigemius zugoleitet werden, entweder aus, oder sie ist in¬ 
folge dieser Erregungen verhindert, sich zu den Inspirationsmuskeln fortzu¬ 
pflanzen. Im Falle, dass die erstere Deutung das Richtige trifft, würde es sich 
um eine Unterdrückung der Erregung am Entstehungsort („genuine Hemmung“, 
Hunk) handeln, und zwar um eine auf reflektorischem Wege erzeugte genuine 
Hemmung automatischer Erregung. 
Ebenso klar für die unmittelbare Selbstbeobachtung, aber weniger leicht 
in überzeugender Weise zu demonstrieren ist der Sachverhalt bei der willkür¬ 
lichen Hemmung automatisch eder reflektorisch erzeugter Erregung. Wenn 
man eine grade im entstehen begriffene spontane Einatmung willkürlich unter¬ 
drückt, so kann man dies zwar so thun, dass man die Erregung der Exspira- 
toren in demselben Maße willkürlich anschwellen lässt, wie die Erregung der 
Inspiratoren automatisch sich entwickelt, so dass die gleichzeitige Erregung 
antagonistischer Muskelgruppen den äußern Effekt jeder einzelnen hintanhält 
und als Korrelat zentraler Erregung keine Bewegung von Skeletteilen resultiert, 
sondern nur vermehrte Spannung in antagonistischen Muskeln — bei geübtester 
Selbstbeobachtung aber wird man, wenn man sie auf die natürliche Art will¬ 
kürlicher Stillstellung der Atmung richtet, nichts von Spannung in antago¬ 
nistischen Muskelgruppen spüren, solange noch keine fühlbare Atemnot besteht, 
und man wird Fick darin beistimmen, dass die unmittelbare Selbstbeobach¬ 
tung lehrt, „dass die Uebertragung des vorhandenen Reizes auf die Inspiratoren 
im Nervensystem selbst gehemmt wird“ 2). Weniger sicher als wir die „anta¬ 
gonistische Hemmung“ (Munk) in diesem Falle ausschließen können, sind wir 
durch innere Selbstbeobachtung zu entscheiden im stände, ob es sich um eine 
„genuine Hemmung“ [Munk]3) im strengsten Sinne des Wortes handelt, d. h. 
um eine Unterdrückung des Erregungszustandes an seinem Entstehungsort selbst, 
oder ob eine Erregungswelle zwar wie gewönlich entsteht und erst auf ihrer 
Bahn zum Muskel durch Eingreifen einer interferierenden Erregung vernichtet 
wird, ein Vorgang, an den peripher von den Rückenmarkswurzeln kaum, zentral 
von denselben aber sehr wohl zu denken ist, und den Fick mit dem ange¬ 
führten Ausdruck zu meinen scheint. 
Was die willkürlichen Hemmungen von Reflexbewegungen betrifft, so sind 
die geordneten Reflexbewegungen, wie das Niesen, Schlucken etc. wegen ihrer 
Kompliziertheit sehr wenig geeignet, um prinzipielle Fragen an ihnen zu ent¬ 
scheiden. Verhältnismäßig übersichtlich liegen jedoch die Dinge bei dem Lid¬ 
schluss, welcher reflektorisch auf Konjunktivalreizung zu erfolgen pflogt. Dass 
1) C. Weg eie, Ueber die zentrale Natur reflektorischer Atmungshemmung. 
Verh. der physikalisch-medizinischen Gesellschaft zu Würzburg. N. F. XVII.— 
J. G ad, Ueber die genuine Natur reflektorischer Atembewegung in du Bois- 
Reymond’s Archiv, 1881, S. 566. 
2) A. Fick, Compendium der Physiologie des Menschen, 3. Aufl., 1882, 
S. 294. 
3) H. Munk, Ueber Erregung und Hemmung in du Bois-Reymond’s 
Archiv 1881.
        

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