Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ein Kinesiaesthesiometer, nebst einigen Bemerkungen über den Muskelsinn
Person:
Hitzig, Eduard
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39034/2/
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augeordnet. Der Durchmesser dieser Kugeln beträgt ca. 7 cm; ihr Gewicht 
differirt zwischen 50 uud 1000 gr, so zwar, dass 6 Kugeln yon 50—100 eine 
Gewichtsdifferenz von je 10 gr, 5 Kugeln von 100—300 eine Gewichtsdifferenz 
von je 50 gr und 6 Kugeln von 300—1000 eine Gewichtsdifferenz von je 100 gr 
aufweisen. Jede Kugel besteht aus 2 Hälften, welche mit einem Falz aufeinander 
geleimt und durch den Drechsler glatt abgedreht worden sind, nachdem sie 
zuvor ausgehöhlt, bezw. in der Höhlung mit einer entsprechenden Bleifüllung 
versehen worden waren. Die Gewichtszahl einer jeden Kugel ist auf ihr selbst 
mit Bleistift, neben der ihr zukommenden seichten Vertiefung des Brettes mit 
weisser Oelfarbe angegeben. 
Diesen Apparat liess ich mir seinerzeit anfertigen, weil mir eine handliche 
Vorrichtung, vermittelst deren sich die Schärfe „des Muskelsinns“ hei Kranken 
mit Leichtigkeit bestimmen liesse, aus der Litteratur nicht bekannt war. E. H. 
Weber gab bei seinen grundlegenden Untersuchungen1 den Versuchspersonen 
die 4 Zipfel von Tüchern in die Hand, in denen sich die Gewichte befanden. 
Es versteht sich von selbst und wird übrigens durch die Ergebnisse Weber’s 
bewiesen, dass auch dieses Verfahren an sich brauchbar ist. Ich glaube jedoch, 
dass Jeder, der solche Untersuchungen an Kranken angestellt hat, eine erheb¬ 
liche Schwierigkeit in dem durch die Zusammenstellung der Gewichte entstehen¬ 
den Zeitverlust gefunden haben wird. Noch ein anderer Umstand erschwert 
die Anwendung jenes Verfahrens hei Kranken. Nach der Vorschrift Weber’s 
soll der Beobachter das Tuch etwas fester fassen als nöthig ist, damit es nicht 
aus der Hand gleite. Hierdurch wird schon an sich insofern eine Complication 
in den Versuch eingeführt, als den Muskeln eine zweite, nicht in gleichem 
Sinne wirkende, aber für sich abzumessende und abzuschätzende Kraftleistung 
zugemutliet wird, mit der das Sensorium sich also nebenher zu beschäftigen hat. 
Ueberdies ist gerade bei den hier in Betracht kommenden Krankheitszuständen, 
mögen dieselben nun in Reiz- oder Lähmungszuständen auf dem motorischen 
oder dem sensiblen Gebiet oder in Coordinationsstörungen bestehen, die Forde¬ 
rung Weber’s schwer oder nicht ausführbar. Ich will jedoch nicht verkennen, 
dass es für eine Anzahl der uns interessirenden Fälle wenig darauf ankommt, ob 
man den Kranken das Tuch in die Hand giebt oder oh man es nach dem 
Vorschläge anderer Autoren in der Art einer (Schlinge um die Hand oder das 
Handgelenk befestigt, dafern man nur bei Anwendung grösserer Gewichte fin¬ 
den Ausschluss schmerzhaften Druckes besorgt ist. Zwar besteht die Absicht 
des reinen Versuches in der Prüfung „des Muskelsinns“ für sich ohne Con- 
currenz des Drucksinns, während bei dem Ueberhängen des Tuches unter allen 
Umständen ein mehr oder minder starker Druck auf eine beschränkte Hautstelle 
ausgeübt wird. Da jedoch die erwähnten Versuche Weber’s gelehrt haben, 
dass die combinirte Inanspruchnahme des Muskelsinns und des Drucksinns an 
den oberen Extremitäten keine feinere Unterscheidung ermöglicht als die des 
Muskelsinns allein, während die Unterscheidung durch den Drucksinn allein an 
Der Tastsinn und das Gemeingefühl. Wagner’s Handwörterbuch. Bd. III. 2. S. 546.
        

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