Bauhaus-Universität Weimar

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von vornherein vom Weiterlesen abschrecken mochte, noch ehe 
er auf der zweiten Seite die Kräfte kurzweg mit den Impondera¬ 
bilien identificirt fand und auf der vierten und sechsten Seite 
jenen schon angeführten Fehlern begegnete. Dass in dieser Ab¬ 
handlung wirklich bedeutende Gedanken steckten, dass sie nicht 
in die breite Literatur von unklaren Einfällen gehörte, welche 
alljährlich von schlecht unterrichteten Dilettanten aufgetischt 
werden, konnte höchstens ein Leser merken, der schon ähnliche 
Gedanken in sich herumgewälzt hatte, und diese unter dem etwas 
fremdartigen Wortgebrauch des Autors wieder zu erkennen 
wusste. Liebig, der im Jahre, als Mayer’s Abhandlung er¬ 
schien, sein Buch über Thierchemie herausgab, in der er die 
Frage des chemischen LTsprungs der thierischen Wärme eingehend 
erörterte, war vielleicht ein solcher Leser, und nahm deshalb den 
Aufsatz in sein Journal der Chemie auf. Dort werden freilich 
Physiker und Mathematiker kaum Aufschlüsse über die Principien 
der Mechanik gesucht haben und dies ist noch ein Nebenumstand, 
der dem Bekanntwerden des Aufsatzes hinderlich sein mochte. 
Das Liebäugeln mit der Metaphysik in Mayer’s beiden 
ersten Veröffentlichungen erklärt sich wohl aus der damaligen 
Unzulänglichkeit seines empirischen Materials. Einem findigen 
und nachdenklichen Kopfe, wie er unzweifelhaft war, gelingt es 
gelegentlich auch aus dürftigem und lückenhaftem Material 
richtige Verallgemeinerungen zu bilden. Wenn er dann aber die 
Beweise dafür zu Papier zu bringen sucht und das Ungenügende 
derselben fühlt, so kommt er leicht dazu, sich mit unbestimmt 
allgemeinen Betrachtungen von zweifelhaftem Werthe helfen zu 
wollen. So beginnt, wie schon bemerkt, Robert Mayer seine erste 
Abhandlung mit Betrachtungen über den vieldeutig unbestimmten 
Satz: „Causa aequat effectum“ und schiebt diesem einen Sinn 
unter, wonach die Wirkung mit demselben Werthe ihrer Grösse 
wieder neue Ursache müsse werden können. Aus dem „aequat“, 
d. h. „ist gleich“, wird gemacht ein „bleibt gleich“. Abgesehen 
hiervon und von der weiteren Frage, ob der genannten letzteren 
Deutung nicht eine Verwechselung der Begriffe von „Ursache 
und Wirkung“ mit „Veranlassung und Folge“ zu Grunde liege, 
ist klar, dass die in der Natur sich vorfindenden Arbeitsäqui¬ 
valente erst dann als causa und effectus, von denen jener Satz 
redet, aufgefasst werden dürfen, wenn ihre Unzerstörbarkeit be¬ 
wiesen ist, d. h. dasjenige als Voraussetzung schon feststeht, was 
unser Autor aus jenem Satze herzuleiten sich bemüht. Ebenso
        

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