Bauhaus-Universität Weimar

C90 Kap. XXX. Das Sittliche und die Persönlichkeiten. 
Geschmackes und Geruches sogar, haben daffir Bedeutung. Aber 
freilich die Bedeutung wird, je höher das Schöne sich erhebt, 
umso mehr zu einer untergeordneten und nebensächlichen. Und 
wo dies nicht der Fall ist, da hat es darin seinen Grund, dass 
mit dem Inhalt des sinnlichen Empfindens der Gedanke eines Sitt¬ 
lichen unmittelbar sich verbindet, sei es, dass wir den Inhalt auf 
eine Persönlichkeit als Gegenstand ihres Genusses oder ihrer Ar¬ 
beit beziehen und so im Grunde der Persönlichkeit und dessen, was 
ihr der Inhalt bedeutet, statt des Inhaltes selbst uns freuen, sei es 
dass ohne solche Beziehung Regungen sittlichen Inhaltes bei der 
Betrachtung des Sinnlichen zugleich in uns anklingen und seine 
Bedeutung erhöhen. Wir haben eine Empfindung von der Wärme, 
die die Landschaft, auch die gemalte, durchzieht. Aber sie würde 
nicht so auf uns wirken, wenn uns nicht Personen, die in der 
Landschaft sich finden oder von uns hineingedacht werden, von 
der Wärme berührt und belebt schienen, wenn nicht schon die 
leblosen Gegenstände, die Wasserfläche, der Hügel, der Baum, die 
wir ja in gewisser Weise zu vermenschlichen nie umhin können, 
die Wärme zu fühlen und Glück und Behagen zu athmen 
schienen, wenn nicht überhaupt die Vorstellung der Wärme mit 
dem Gedanken an reges, fröhliches Leben, an Wonne und Genuss 
des Daseins so enge verbunden wäre. Ebenso ist es kein Zweifel, 
dass der frische, saftige Geschmack einer Frucht — man denke 
an so manches Frachtstück der holländischen Schule — ein Ele¬ 
ment im Eindruck des Schönen sein kann. Aber auch hier würde 
der Eindruck nicht der sein, der er ist, wenn nicht Vorstellungen 
von frischem, vollsaftigen Leben überhaupt in uns anklängen, 
wenn wir nicht andrerseits Gedanken an behagliches sorgenloses 
Geniessen, an Reichtum und Wohlhäbigkeit, kurz an alles, woran 
uns dergleichen auf Grund unserer Erfahrung erinnern kann, sei 
es auch unbewusst und in allen möglichen Graden der Stärke, in 
uns angeregt würden. 
Mag nun aber dem Aussersittlichen, d. h. dem blosen nicht 
auf die Persönlichkeit bezogenen Objekt als solchem grössere oder 
geringere Bedeutung zukommen, in jedem Falle ist es das Sittliche 
oder die Persönlichkeit, worauf das Schöne zuletzt abzielt Wie¬ 
derum ist kein Inhalt des Sittlichen, also keine positive Lebens¬ 
regung vom Gebiet des Schönen ausgeschlossen. Andrerseits sind 
die höchsten sittlichen Inhalte zugleich die höchsten Inhalte des
        

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