Bauhaus-Universität Weimar

Der Witz. 
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Alle Arten Ton Denkbeziehungen können die Fähigkeit be¬ 
sitzen. Wir unterscheiden aber vorzugsweise zwei Arten solcher 
Beziehungen. Die Beziehungen zwischen Worten bezw. ganzen 
Sätzen und ihrem Sinn, und die Schlüsse, also die Verbindungen 
von Urteilen und Urteilen, bezw. Sätzen und Sätzen. Worte und 
Sätze vermögen das Denken mit bloser Scheinnotwendigkeit fort¬ 
zuzwingen, insofern sie diesen und auch jenen Sinn repräsentiren. 
Es ist aber nicht einmal erforderlich, dass ein identisches Wort 
den Doppelsinn in sich schliesse. Auch blose Aehnlichkeit des 
Wortklangs kann den Zwang üben. Wir fühlen uns mit gewisser 
Widerstandslosigkeit von dem einen Sinn des identischen Wortes 
zu dem andern, oder von dem Sinu des einen Wortes zum Sinn 
des andern ähnlich klingenden hinübergeführt oder hinübergeleitet, 
und so schliesslich zur Anerkennung eines Gedankeninhaltes ge- 
gebracht, der im Grunde nicht existirt. Ebenso vermögen Schlüsse 
auch ohne Doppelsinn der in sie eingehenden Begriffe uns mit 
bloser äusserer oder psychologischer Notwendigkeit fortzuzwingen. 
Sie vermögen es aber im Allgemeinen in doppelter Weise. Der 
Schluss wird wirklich, wenn auch nicht in Schlussform, vollzogen ; 
doch so, dass wir über das Fehlen eines zur Richtigkeit des Schlus¬ 
ses notwendigen Elementes, bezw. über das Stattfinden einer Tat¬ 
sache, die das Ergebniss des Schlusses in sein Gegenteil verkehren 
würde, hinweggetäuscht werden. In diesem Falle haftet die Komik 
an dem ganzen Schlüsse bezw. seinem erschlichenen Scheinwert. 
Bedingung ist, dass wir den Scheinwert sofort als solchen erkennen, 
also wissen, über was wir uns haben hinwegtäuschen lassen. Andrer¬ 
seits muss uns doch der Fortgang von Inhalt zu Inhalt, wie ihn 
der Schluss in sich enhält, so geläufig sein, dass die Täuschung mo¬ 
mentan gelingen kann. — Oder aber der Schluss wird nur ange¬ 
deutet. Ein an sich harmloses Urteil tritt zu andern, so dass es 
mit ihnen zusammen einen Schluss einleitet, den wir zu vollenden 
nicht umhin können. Weder das neu hinzutretende Urteil noch 
diejenigen, zu denen es hinzutritt, rechtfertigen das Ergebniss des 
Schlusses. Aber die geläufige Schlussform lässt es momentan ge¬ 
rechtfertigt erscheinen. Eigentlicher Träger der Komik ist hier 
das neu hinzutretende Urteil. Durch eben das Schlussurteil, das 
es herbeizwingt, wird es zu der ihm fremden Bedeutung aufge¬ 
bauscht. Bedingung ist wiederum einerseits die sofortige Einsicht 
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