Bauhaus-Universität Weimar

Abschluss: Die ursprünglichen Local reichen u. der Anteil der Erfahrung. 647 
mich mehr befriedigen würde, als die andere. Wir sehen Eindrücke, 
die dem einen Auge angehören, mit Eindrücken des andern völ¬ 
lig verschmelzen, ohne dass wir doch annehmen dürften, die Local¬ 
zeichen der zagehörigen Netzhaatstellen ständen in einem beson¬ 
deren qualitativen Verhältnis zu einander. So werden auch Ein¬ 
drücke beliebiger Stellen mit Eindrücken beliebiger anderer Stellen 
desselben Auges ursprünglich total haben verschmelzen können. 
Wenigstens ist kein Grund, warum das, was dort gilt, hier nicht 
gelten Bollte. Unter der Voraussetzung könnten aber die jetzt be¬ 
stehenden Unmöglichkeiten der totalen Verschmelzung von Ein¬ 
drücken desselben Auges nur durch die Erfahrung gemacht 
sein. Die Consequenz davon wäre dann eben jene erstere Annahme. 
Ihr zufolge hätte die Erfahrung, ebenso wie wir dies beim Tastsinn 
annahmen, aus einer ursprünglich nur intensiven Empfindung, oder 
wenn man will, einem ursprünglich nur intensiven Gefühl unsere 
jetzige Raumanschauung des Gesichtes herausdifferenzirt und da¬ 
mit auch erst der Gesichtsempfindung ihren jetzigen von der Räum¬ 
lichkeit nicht mehr zu trennenden Charakter gegeben. 
Aber freilich, beweisen können wir diese Anschauung nicht. Viel¬ 
leicht gibt es sogar Gründe, diese Herausdifferenzirung wenigstens 
nicht bei jedem Individuum geschehend zu denken. Vielleicht 
mus8 trotz des Gesagten angenommen werden, dass uns auf bei¬ 
den Gebieten, dem des Tast- und dem des Gesichtssinnes, sei es von 
der Anordnung der Localzeichen unabhängige Dispositionen zur Voll¬ 
ziehung der Zu8ammeuorduungen und Sonderungen, sei es auch 
geordnete qualitative Localzeichen, mitgegeben sind. Dann kann 
doch innerhalb der Gattung eine solche Differenzirung der räum¬ 
lichen, ebenso wie auch sonstiger Empfindungsunterschiede aus der 
ungeschiedenen Einheit eines anfänglichen Empfindens stattgefun¬ 
den haben. Solche Gedanken sind uns ja geläufig genug. Auch 
die geordneten qualitativen Localzeichen, wenn wir solche anneh¬ 
men, könnten dann innerhalb der Gattung aus der häufigeren ge¬ 
meinsamen Reizung benachbarter Stellen durch gleiche objektive 
Eindrücke erst entstanden gedacht werden. 
Indessen es wäre zwecklos, derartige Vorstellungsweisen 
weiter zu verfolgen. Gonstatiren wir Btatt dessen zum Schluss 
dieses Kapitels, was wir in demselben gewonnen haben. Es ist 
dies, kurz gesagt, der Raum, und zwar der ganze Raum der Ge¬ 
sichtswahrnehmung. Dieser Raum ist ein flächenhafter, wie der
        

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