Bauhaus-Universität Weimar

Der Satz als Repräsentant des allgemeinen Urteils. Die Analogie. 459 
sich findet. Immer gewinnt das Wort* die Stellung auf Grund eines 
inductiven Processes. Es kann aber sogar, wenn der Process voll¬ 
endet ist, der an sich unabtrennbare Inhalt in beliebig verschie¬ 
denartigen Denkzusammenhängen als selbständiger fungiren. 
Die Herausarbeitung endgiltig genügender Bedingungen von 
Urteilen erlaubt ohne weiteres die Uebertragung des Urteils auf 
alles, in dem die Bedingungen identisch wiederkehren. Wir über¬ 
tragen aber auch Urteile von Vorstellungsinhalten Ai auf andere 
Vorstellungsinhalte A*, schon ehe wir von einer endgiltig genü¬ 
genden Bedingung, die in beiden wiederkebrte, Kenntnis» haben. 
Wir vollziehen die Uebertragung, weil überhaupt Ai und A2 ein¬ 
ander ähnlich sind. Wie wir dazu kommen können, dies ergibt 
sich aus Erörterungen, die wir schon im sechsten Kapitel anstell¬ 
ten. Drängt ein Ai auf Grund der Wahrnehmung auf P, so gilt 
dieses Drängen zugleich für ein ähnliches A« nach Maassgabe der 
Aehnlichkeit, also jenachdem in grösserem oder geringerem 
Grade. 
Nennen wir solche Urteilsübertragungen oder Uebergänge 
einer Vorstellungsnötigung von Aehnlichem auf Aehnliches Ana¬ 
logien. Dann ist deutlich, dass die Sicherheit und der Wert einer 
Analogie sehr verschieden gross sein kann. Ich bemerkte mehrere 
Male, dass eine Blume von bestimmter Farbe angenehm duftete; 
dies muss mich, von sonstigen Erfahrungen und Erkenntnissen ab¬ 
gesehen, auch bei anderen Blumen von ähnlicher Farbe den an¬ 
genehmen Duft zu vermuten in gewissem Grade geneigt machen. 
Diese Analogie wäre eine wertlose. Habe ich dagegen einmal ans 
einer gewissen Bewölkung des Himmels Regen folgen sehen, so 
erwarte ich bei ähnlicher Bewölkung mit einigem Recht wiederum 
Regengüsse. Der Grund des verschiedenen Wertes der Analogien 
ist deutlich. Er liegt ohne Zweifel darin, dass die Farbe den 
Duft nicht bedingt, die Wolken aber den Regen erzeugen. Dar¬ 
nach hängt der Wert der Analogie zunächst davon ab, ob die 
Aehnlichkeit, auf der sie beruht, die endgiltigen Bedingungen des 
der Analogie zu Grunde liegenden Urteils betrifft. Aber auch dies 
genügt noch nicht. Denken wir uns die einander ähnlichen A, 
und As in zwei Bestandteile zerlegt, einen, in dem sie überein¬ 
stimmen und einen, in dem sie voneinander abweichen, und nennen 
wir den ersteren a, den letzteren bezw. und a\. Was dann die 
Analogie eigentlich macht, sind nicht die Elemente cn und a'i, son-
        

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