Bauhaus-Universität Weimar

Bedingungen und Gründe, primärer und abgeleiteter Art. 416 
die Vorstellungen, auf deren reproductiver Kraft die Nötigung be¬ 
ruht. Ich bezeichne als Grund der Vorstellungsnötigung das 
System dieser Bedingungen. Alle Bedingungen und Gründe nun 
zerfallen in zwei Klassen. Die eine ist die Klasse der unmittelbar 
aus der Wahrnehmung hervorgehenden Bedingungen und Gründe; 
wir wollen sie die primären nennen. Ihr steht entgegen die Klasse 
der in der Reproduction entstandenen Bedingungen und Gründe, 
die wir als abgeleitete bezeichnen wollen. Die Wahrnehmung geht 
notwendig vom zeitlich Früheren zum zeitlich Späteren, nie um¬ 
gekehrt. Sie geht ausserdem vom Gleichzeitigen zu gleichzeitig 
Vorhandenem. Immer nun, wenn die Wahrnehmung von einem 
a zu einem b übergeht, knüpft sich die Association zunächst in 
dieser Richtung; a drängt in der Reproduction auf b, b nicht ohne 
weiteres auf a. Daraus folgt, dass primäre Bedingungen nur sol¬ 
ches zum Inhalt haben können, das dem Gegenstand der Vor¬ 
stellungsnötigung voranging oder gleichzeitig war. Umgekehrt 
müssen alle Bedingungen, die Nachfolgendes zum Inhalt haben, 
abgeleiteter Natur sein. Freilich kann den Inhalt der abgeleiteten 
Bedingungen auch ebensowohl ein Vorangehendes oder Gleichzei¬ 
tiges bilden. Insbesondere muss, wenn die Wahrnehmung nur von 
einem p zu einem gleichzeitig vorhandenen q überging und nicht 
auch den umgekehrten Weg machte, die Association von q nach 
p, durch die q Bedingung einer Vorstellungsnötigung mit dem 
Inhalt p wird, in der Reproduction geknüpft werden, also abge¬ 
leiteter Natur sein. Denn auch jener Uebergang knüpfte, trotz der 
tatsächlichen Gleichzeitigkeit der beiden Inhalte, dennoch zunächst 
nur eine in der Richtung von p nach q wirkungsfähige Association. 
Dass es neben den primären solche abgeleitete Bedingungen 
gibt, unterliegt keinem Zweifel. Unser Denken gebt ebensowohl 
von Wirkungen zu gleichzeitigen und vorangehenden Ursachen, als 
umgekehrt. War einmal ein Tatbestand a Grund für die Annahme 
eines andern b, so kann ein andermal ebenso der Gedanke an b 
uns in Gedanken auf a zurückweisen. Alles erscheint schliesslich 
mit allem direkt oder indirekt in’s Verhältniss des Grundes zur 
Folge oder der Bedingung zur Vorstellungsnötigung gesetzt. Es 
ist eine Frage, der die Psychologie sich nicht verschliessen darf, 
wie die seelische Bewegung dazu gelangen könne, sich rückwärts 
zu wenden, und Wege einzuschlagen, die denjenigen entgegen¬ 
gesetzt sind, auf welche die Erfahrung unmittelbar hindrängt.
        

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