Bauhaus-Universität Weimar

390 
Kap. XVII. Apperception und Urteil. 
wir sie so nennen wollen, mit den im vorigen Abschnitt besprochenen 
ttbereinstimmen und in wiefern nicht, sieht man leicht. 
Alle Associationen der Gleichzeitigkeit zielen zuletzt auf Ur¬ 
teile. Davon reden wir im folgenden Kapitel. 
Siebenzehntes Kapitel. 
Apperception und Urteil. 
Ich leite das Kapitel ein, indem ich zunächst an dasjenige 
anknüpfe, was ich Kap. IX mit Bezug auf die psychischen Mes¬ 
sungen nach der Reactionsmethode bemerkte Der Vorgang der 
einfachen Reaction brauchte keine Bewusstwerdung, also wenn Ap¬ 
perception mit Bewusstwerdung gleichgesetzt wird, keine vollen¬ 
dete Apperception in sich zu schliessen. Was er in sich schloss, 
war eine bestimmte Art der Erfassung oder Auffassung des Ein¬ 
drucks, von der dahin gestellt bleiben musste, wie sie sich zur 
Bewusstwerdung verhalte. Nur wenn Wundt’s Auschauung auch 
eine Identification mit solchen Akten der Erfassung und Auffas¬ 
sung zuliess, konnte er die Apperceptionszeit als einen Bestand¬ 
teil der einfachen Reactionszeit betrachten. 
Das Gesagte gilt nicht nur von den Kap. IX und X von 
uns besprochenen Versuchen, sondern ebensowohl von anderen, 
über die Wundt berichtet. Es gilt insbesondere auch hinsicht¬ 
lich der Untersuchungen über „Unterscheidung und Wahl“ (Phy¬ 
siologische Psychologie 2. Aufl. II, 247 ff.). Ohne weiteres wer¬ 
den an der genannten Stelle solche psychologische Vorgänge, bei 
denen zur einfachen Auffassung eines Eindrucks die Unterschei¬ 
dung desselben von anderen Eindrücken hinzutritt, als Appercep¬ 
tions Vorgänge, nur als Apperceptionsvorgänge verwickelterer Art 
bezeichnet. Nun ist ohne Frage die Unterscheidung eines Ein¬ 
drucks von anderen nichts, was mit der Bewusstwerdung des Ein¬ 
drucks als solcher gegeben wäre. Unterscheiden ist eine Art des 
Urteilens. Urteile bestimmter Art sind es also, in denen sich spe¬ 
ziell die in Rede stehenden Apperceptionen vollenden. Sollen die-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.