Bauhaus-Universität Weimar

868 Kap. Xyi. Die Leistungen der Beziehungen überhaupt. 
Nachbar gesprochen hatte, auf einmal im Mittelpunkt der Unter- 
haltung sehen, dann fühlen wir unmittelbar die erhöhte Bedeutung, 
die dem, was wir sagen, zu wächst. Das Gefühl kann ein ange¬ 
nehmes, es kann auch ein peinliches sein. Ob es das eine oder 
andere ist, wird davon abbängen, ob wir selbst den Worten Wert 
beimessen oder nicht. Sind sie völlig gleichgiltiger Natur, so be¬ 
rührt die unerwartet vergrösserte Zuhörerschaft darum peinlich, 
weil die Wahrnehmung derselben, um psychologisch zu reden, der 
Abflusstendenz der den Worten zu Grunde liegenden Gedanken 
hemmend entgegentritt. Vielleicht verrät sich dies sogar darin, 
dass wir auch in unserer Rede zu stocken beginnen. Der Vorgang 
ist ganz der von S. 338. — Nicht minder bekommt der Satz, von 
dem viele ausgehen und auf den viele abzielen, ebendadurch ein 
erhöhtes psychologisches Gewicht. 
Analoges geschieht, wenn die a, b, c Vorstellungen sind, die 
von A reproducirt werden. A verliert an sie zunächst Kraft, ge¬ 
winnt sie aber dann in erhöhtem Maasse wieder. Der wesentliche 
Unterschied ist, dass solche Vorstellungen zahllos sein und wegen 
ihrer Menge und wechselseitigen Concurrenz im Unbewusstsein zu 
verharren sich genötigt sehen können. Ich brauche nicht zu sagen, 
dass ich hier auf einem Gebiete anlange, das ich öfter gestreift 
habe. Gegenstände sprechen, abgesehen von dem, was uns ihre 
Wahrnehmung für sich allein sagt, eine doppelte Sprache, eine 
solche, die sie zu sprechen durch ihre Natur geeignet sind, und 
eine solche, die wir sie sprechen lehrten, indem wir auf Grund 
der Erfahrung zwischen ihnen und andern Vorstellungsinhalten 
Beziehungen knüpften. Mit letzterer haben wir es hier zu tun. 
Ich gehe darauf mit einigen Worten näher ein. 
Dass die Formen und Farben des menschlichen Aeusseren 
und vor allem des menschlichen Gesichtes an sich Gegenstände 
besonderen Interesses seien, gegen die Annahme haben wir uns schon 
erklärt. Es ist aber auch nicht einzusehen, woher dieses besondere 
Interesse stammen sollte. Die sonstigen ästhetischen Gesetze wider¬ 
sprechen sogar der Annahme direkt. Nur die Symmetrie der rech¬ 
ten und linken Körperhälfte könnte in’s Feld geführt werden. 
Aber auch die Bedeutung dieser gründet sich der Hauptsache nach 
auf die Gleichheit der entsprechenden Leistungen. Es müsste sonst 
am Ende ein Mensch, dessen Vorder- und Rückseite symmetrisch 
wären, nooh eindrucksvoller sein. Daneben hat man freilich die
        

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