Bauhaus-Universität Weimar

Allgemeine Bedingungen der Leistungsfähigkeit der Beziehungen. 868 
wir uns doch nur der Freiheit, von der wir auch Gebrauch machen, 
wenn wir von Vorstellungen sprechen, wo in der Tat nur Vor¬ 
stellungsdispositionen gemeint sein können. Andrerseits sind diese 
Beziehungen nichts, als was wir sonst Arten der Association der 
Gleichzeitigkeit nennen. 
Zunächst nun haben wir in diesem Abschnitt zu tun mit den 
Leistungen der Beziehungen im letzteren Sinne. Da sie an sich 
nur Dispositionen sind, so werden die Bedingungen ihrer Leistungs¬ 
fähigkeit den Bedingungen der Leistungsfähigkeit der Vorstellungs¬ 
dispositionen analog sein. Gehen wir also von diesen aus. 
Schon öfter haben wir vorausgesetzt, dass Dispositionen zu 
Vorstellungen durch Wiederbelebung leistungsfähiger werden, bei 
dauernder Untätigkeit dagegen verkümmern. Eine Melodie, die 
ich eine Zeitlang immer wieder hörte, kommt mir endlich auch 
ohne allen erkennbaren Anlass in den Sinn. Der interessante oder 
abschreckende Anblick, den ich eben erst hatte, verfolgt mich, 
auch wenn die Dinge, die mich jetzt beschäftigen, in gar keinem 
unmittelbaren Bezug dazu stehen. Diese Leichtigkeit der Repro¬ 
duction verliert sich, wenn einige Zeit vergangen ist. Nicht minder 
glaubten wir ohne weiteres annehmen zu dürfen, dass dasjenige 
eine leistungsfähigere und dauerhaftere Disposition ergebe, was 
nicht leicht an uns vorübergeht, oder gar überhaupt nicht zum 
Bewusstsein kommt, sondern zur vollen Geltung gelangt und einige 
Zeit festgehalten wird, sei es weil es an sich grösseren Eindruck 
machte, sei es weil wir Gründe hatten, es zum Verweilen zu ver¬ 
anlassen. 
Dasselbe gilt nun von den Dispositionen zu Vorstellungsbe- 
zichungen oder den Associationen der Gleichzeitigkeit. Wir haben 
aber auch diesen Tatbestand schon gelegentlich ausdrücklich an¬ 
erkannt. Je öfter und vor je kürzerer Zeit zwei Vorstellungen 
sich trafen, und je energischer und dauernder die seelische Kraft 
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sich auf sie concentrirte, bezw. von der einen zu andern überging, 
desto leistungsfähiger ist die Association. 
Von der Leistungsfähigkeit beider, der Dispositionen in en¬ 
gerem Sinne und der Associationen ist nun in jedem Falle die Leich¬ 
tigkeit der tatsächlichen Reproduction abhängig. Da dem so ist, 
so kann es geschehen, dass eine Disposition an sich grosse Lei¬ 
stungsfähigkeit besitzt, und doch keine Reproduction zu Stande 
kommt. Es braucht nur die reproducirende Erregung zufällig einen
        

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