Bauhaus-Universität Weimar

Aesthetische Bedeutung des Gefühls von Unbewusstem. 361 
gemeint, so wtlrde die Hegel fast jeden Reichtum der Elemente 
eines Kunstwerkes verbieten. Denn diese Möglichkeit ist eine in 
hohem Maasse beschränkte. In der Tat muss die Forderung, wenn 
sie psychologischen Sinn haben soll, vielmehr besagen, jeder Reich¬ 
tum der Elemente sei nur soweit berechtigt, als er den einzelnen Ele¬ 
menten nicht verbiete, überhaupt in der Seele lebendig zu sein 
und zum gesammten Eindruck an seiner, sei’s auch untergeordneten 
Stelle beizutragen. Es können aber möglichst viele Elemente in 
der Weise gleichzeitig lebendig sein und wirken, wenn nicht nur 
jedes Element mit andern, sei’s durch Aehnlichkeifc und Verwandt¬ 
schaft, sei’s durch erfahrnngsgemässe Beziehungen derart verbun- 
den ist, dass sie gegenseitig in der Seele sieh erhalten, sondern 
auch relative Ganze, zu denen die Elemente sich zusammenschlies- 
sen, zu andern relativen Ganzen in gleicher Weise sich verhalten, 
wenn mit andern Worten die Vielheit der Elemente zum psycho¬ 
logischen System einander unter- und übergeordneter Zusammen¬ 
hänge sich gliedert. Wie man sich erinnert, sprachen wir schon 
gelegentlich im zehnten Kapitel von solchen Systemen. 
Die Forderung erhält aber sogleich noch eine nähere Bestim¬ 
mung. Der Zusammenhalt des Ganzen und damit die Wirkung 
des Ganzen ist zunächst bedingt durch die Zusammenhänge in der 
obersten Region, d. h. durch diejenigen zusammenhaltenden Be¬ 
ziehungen, die zwischen den grössten und umfassendsten relativen 
Ganzen bestehen. Dann folgen hinsichtlich ihrer Bedeutung für’s 
Ganze die Zusammenhänge der zweiten Region u. s. w. Mögen 
nun diese Zusammenhänge an sich so fest sein wie sie wollen, so 
kann doch ihre Leistungsfähigkeit zum Nachteil des Ganzen da¬ 
durch vermindert werden, dass ein relatives Ganze, vermöge der 
Menge oder der besonderen Art seiner Bestandteile, mit Ubergrosser 
Energie die Seele flir sich in Anspruch nimmt. Damit ist nicht 
überhaupt ausgeschlossen, dass ein relatives Ganze ein besonderes 
psychologisches Gewicht besitze. Es muss aber dann zugleich eine 
solche Stellung zum Ganzen einnehmen, dass es ihm in besonderer 
Weise zu dienen, seinen Zusammenhalt vermöge besonders zahl¬ 
reicher und wirkungsfähiger Beziehungen in besonderem Maasse 
zu fördern vermag. 
Andrerseits dürfen wir nicht vergessen, dass die Vielheit ver¬ 
schiedener Elemente doch unter keinen Umständen umhin kann, 
die Wirkungsfähigkeit der einzelnen zu hemmen. Eine gewisse
        

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