Bauhaus-Universität Weimar

Allgemeinere seelische Erregungszustände. 
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hältnissen und Verbaltungsweisen wir im elften und Anfang des 
zwölften Kapitels redeten, durch einen einfachen, yon einer be¬ 
stimmten Stelle des Körpers herrührenden Beiz ausgelöst und 
darum auch die Seele nur einfach, sozusagen an einem bestimmten 
Punkte erregend denken, werden wir der Empfindung des gestörten 
Allgemeinbefindens, entsprechend der grösseren Ausdehnung des 
Gebietes körperlichen Lebens, dem sie entspringt, auch eine Er* 
regung der Seele in grösserer Breite und Ausdehnung zu Grunde 
legen. Die manchfachen, zugleich ohne Zweifel einander ähnlichen 
Erregungen, die diese Erregung von gewisser „Breite und Aus¬ 
dehnung“ in sich begreift, müssen nur eben wegen ihrer Manch- 
faltigkeit mit einander verschmelzen ; sie können es zugleich wegen 
ihrer Aebnlichkeit und geringen Einzelstärke. 
Wir nähern uns damit wiederum einer Tatsache, die wir 
schon im vorigen Abschnitt berührten. Manchfache von der Ober¬ 
fläche oder dem Innern unseres Körpers herkommende Reize, so 
meinten wir in unserem siebenten Kapitel, die für sich keinen 
Bewusstseinsinhalt erzeugen, erregen darum doch die Seele und 
zeigen sich im seelischen Leben wirksam. Vielleicht kommt uns 
nur ihr Verhältniss zum Seelenganzen und ihr Verhalten zu dem, 
was sonst die Seele bewegt, in so oder so gearteten Gefühlen der 
Lust oder des Missbehagens zum Bewusstsein, so dass sie nicht 
die Menge der objektiven Bewusstseinsinhalte vermehren, sondern 
nur zum allgemeinen Lebensgefühl, ich meine dem Gefühl, das 
unser gesammtes seelisches Leben, abgesehen von bestimmten ein¬ 
zelnen dem Bewusstsein gegenwärtigen Inhalten, begleitet, einen 
positiven oder negativen Beitrag liefern. Vielleicht aber auch ver¬ 
einigen sie sich, wie in den Fällen, von denen wir herkommen, 
zu objektiven auf den Körper bezogenen Empfindungen, die nur 
an Schärfe und Wohlumgrenztheit hinter andern Empfindungen 
zurückstehen. 
Offenbar stehen die Empfindungen, die ich hier als objektive 
bezeichne, mit den Empfindungen von Objekten in gewissem Sinne 
in Gegensatz. Von der objektiven Welt, ich meine der Welt der 
Dinge ausser uns, ein Bewusstsein zu vermitteln, ist das eigentliche 
Geschäft der wohlumgrenzten, von den Sinnesorganen herstammen¬ 
den Empfindungen. Dagegen sind die Empfindungen, von denen 
ich hier rede, nur geeignet, über den Verlauf unseres eigenen 
körperlichen Lebens bezw. engerer oder weiterer Bezirke desselben
        

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